Hintergründe zu Nordkorea

Demokratische Volksrepublik Nordkorea

  • Nordkorea-Landesflagge (Bild: CIA World Factbook)Hauptstadt: Pjöngjang
  • Nationalität: Nordkoreaner
  • Staatsform: Volksrepublik
  • Staatsoberhaupt: Kim Il-sung († Juli 1994)
  • Regierungschef: Kim Jong-un (seit Dez. 2011)
  • Unabhängigkeit: seit 1948
  • Einwohnerzahl: 24,5 Mio. (Schätzung von Juli 2012)
  • Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner: 1800 US-Dollar (Schätzung von 2011)

Wissenswertes über Nordkorea

Nordkorea-Landkarte (Bild: CIA World Factbook)Die Demokratische Volksrepublik Nordkorea wurde am 9. September 1948 von Kim Il-sung ausgerufen. Erst einige Wochen zuvor entstand in Seoul die Republik Korea, das heutige Südkorea. Beide Staaten erkannten einander nicht an. Als 1950 nordkoreanische Truppen die Grenze überschritten, um die gesamte koreanische Halbinsel einzunehmen, begann der bis 1953 andauernde Koreakrieg. US-amerikanische Truppen unterstützten dabei den Süden, während der Norden Hilfe von China bekam. Am 27. Juli 1953 unterzeichneten Nord- und Südkorea einen Waffenstillstand. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag zwischen beiden Staaten.

Seit dem Tod von Kim Jong-il im Dezember 2011 wird das Land von seinem Sohn Kim Jong-un geführt.

JucheSongbunHungerFlüchtlinge
Juche: In den 1950er Jahren arbeitete Kim Il-sung ununterbrochen daran, seine Führungsposition zu festigen. Er führte auch die Juche-Philosophie ein, die vor allem für Nordkoreas wirtschaftliche Entwicklung maßgebend war. Der Ideologie zufolge ist das oberste Ziel die Autarkie. Damit ist es Aufgabe des Staates, für politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit zu sorgen. Nordkorea begründet mit diesen Prinzipien seine Isolierung gegenüber dem Ausland. Die Ideologie basiert auf dem Prinzip, dass der Mensch ein selbstbestimmter Herrscher ist. Gleichzeitig wird von ihm bedingungslose Loyalität gegenüber dem „Führer“ gefordert.

Der Personenkult um Kim Il-sung nahm im Laufe der Jahre immer größere Ausmaße an und schloss schließlich auch seine gesamte Familie mit ein. Obwohl Kim Il-sung 1994 verstarb, gehört das Amt des Staatsoberhauptes weiterhin ihm, dem „ewigen Präsidenten“. Sein Sohn Kim Jong-il übernahm drei Jahre nach dessen Tod den Posten des Generalsekretärs der „Partei der Arbeit Korea“. Das Volk nennt ihn den „geliebten Führer“.

Songbun: Alle Einwohner Nordkoreas werden von der Regierung in Klassen eingeteilt. Diese Klassenteilung nennt sich Songbun, was „Herkunft“ bedeutet und auch das Hauptkriterium für die Zuordnung zu einer Klasse darstellt. Es gibt drei Hauptklassen mit 50 Unterklassen, die Auswirkungen auf den Zugang zu Bildung, Beruf und die von der Regierung verteilten Lebensmitteln haben. Somit ist die Gesellschaft unterteilt in Schichten mit loyalen Personen, schwankenden Personen und feindlich gesinnten Personen. Zu letzterer gehören Familienangehörige von japanischen Geistlichen, Christen, Unternehmer und Überläufer nach Südkorea. Sie erleben die stärksten Restriktionen. Der Songbun wird von den Vätern an die Kinder weitervererbt.
Hunger: Nordkorea kämpft seit Jahrzehnten mit Hunger und Unterernährung. Grund dafür sind Dürren, Überschwemmungen und Misswirtschaft. Schätzungen zufolge starben während der Hungersnot 1990 etwa 500.000 Menschen. Rund zwei Millionen Menschen sind seitdem vor dem Hunger geflohen.

Internationale Hilfsorganisationen versorgen seit den 1990er Jahren große Teile der nordkoreanischen Bevölkerung mit Essen. Trotzdem hungern Millionen Menschen in dem asiatischen Land. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen ist jedes dritte Kind chronisch unterernährt oder unterentwickelt, also zu klein für sein Alter. Ebenso ist ein Viertel aller schwangeren oder stillenden Frauen unterernährt.

Flüchtlinge: Nach Angaben des Berichtes „The Hidden Gulag“ von Menschenrechtsexperte David Hawk sind 200.000-300.000 Nordkoreaner aufgrund ihres Hungers in den 1990er Jahren nach China geflohen. Ganze Familien waren auf der Suche nach Nahrung. Für Peking sind alle in China lebenden Nordkoreaner kategorisch „illegale“ Wirtschaftsflüchtlinge, die regelmäßig nach Nordkorea deportiert werden. Und das, obwohl China sich durch allgemeines internationales Recht und die Flüchtlingskonvention von 1951 dazu verpflichtet hat, Flüchtlingen Schutz zu bieten.

Nicht selten werden fliehende Nordkoreaner Opfer des Menschenhandels und zu Arbeit oder Prostitution gezwungen. Besonders üblich ist der Handel mit nordkoreanischen Mädchen oder Frauen, die freiwillig die Grenze nach China überqueren. Zusätzlich werden sie auch aus Nordkorea heraus gelockt mit dem Versprechen auf Arbeit, Lebensmittel und Freiheit, nur um dann als Sklaven angestellt zu werden.

MenschenrechteAtomwaffenMilitärChristenverfolgung
Menschenrechte: Immer wieder wird Nordkorea für Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Menschrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch berichten von schweren Verletzungen des Versammlungs- und Meinungsäußerungsrechts. Ebenso kommt es zu willkürlichen Festnahmen, Folter und Hinrichtungen. Religionsfreiheit ist nicht vorhanden. Die nordkoreanische Regierung jedoch leugnet jegliche Art von Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. „Es gibt keine Menschenrechtsverletzungen in diesem Land, jeder hier führt ein würdiges und glückliches Leben“, gibt „North Korean Central News Agency“ am 06.03.2009 an.
Atomwaffen: Das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sorgt ebenfalls für internationale Spannungen. Nach eigenen Angaben verfügt das asiatische Land über mehrere einsatzbereite Atombomben. Die davon ausgehende Bedrohung ist immer wieder Thema bei internationalen Treffen von Politikern. Die Menschenrechtsverletzungen gingen dabei des Öfteren unter.
Militär: Das nordkoreanische Militär genießt einen hohen Stellenwert. Mit rund 1,2 Millionen aktiven Soldaten ist die nordkoreanische Armee zahlenmäßig eine der größten der Welt. Nach Angaben des US-amerikanischen Think Tanks GlobalSecurity.org gibt Nordkorea jährlich mindestens fünf bis zehn Milliarden Dollar für sein Militär aus. Das sind mindestens 25 Prozent des Bruttoinlandprodukts eines Landes, in dem Millionen hungern.
Christenverfolgung: Die Hilfsorganisation Open Doors schätzt, dass es in Nordkorea etwa 400.000 Christen gibt. Das Land gilt als weltweit schlimmster Christenverfolgerstaat und steht seit Jahren auf Platz eins des Open Doors-Weltverfolgungsindex.

Offiziell herrscht in Nordkorea Religionsfreiheit. In Pjöngjang stehen vier Kirchen: zwei protestantische, eine katholische und eine russisch-orthodoxe. Doch die Gottesdienste in der nordkoreanischen Hauptstadt sind nichts weiter als eine Touristenattraktion. Öffentliche Religionsausübung ist strikt verboten. Das Christentum gilt als gefährlicher ausländischer Einfluss und Christen als „Gefährdung für die Gesellschaft“ und „Spione des verräterischen Westens“. Die Verbreitung des christlichen Glaubens in Nordkorea gilt als durchdachte Verschwörung zwischen Südkorea und den USA.

Nordkoreanische Behörden bemühen sich daher, die vom Christentum ausgehende Bedrohung auszurotten. Christen können sich nur im Untergrund versammeln. Entdeckte Christen werden verhaftet, gefoltert und bezahlen ihren Glauben nicht selten mit dem Leben. Open Doors schätzt, dass bis zu 70.000 Christen aufgrund ihres Glaubens in Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten werden.

Arbeits- und Umerziehungslager

Nach Angaben von diversen Menschenrechtsorganisationen existieren in Nordkorea sechs Arbeitslager für politisch Gefangene und 15 bis 20 Umerziehungslager. Amnesty International geht davon aus, dass diese Lager seit den 1950er Jahren existieren, also seit einem halben Jahrhundert. Das ist doppelt so lange, wie es die sowjetischen Gulags gab und zwölfmal so lange wie die Konzentrationslager der Nazis existierten. Die Lager sind mehrere Quadratkilometer groß und können auf Satellitenbilder deutlich identifiziert werden. In den einzelnen Lagern leben zwischen 5.000 und 15.000 politisch Gefangene. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass insgesamt etwa 200.000 Gefangene in derartigen Lagern leben. Nordkorea leugnet die Existenz dieser Lager.

In den Lagern mit so genannten „total control zones“ werden politische Gefangene bis zu ihrem Tod inhaftiert. Personen mit dem Verdacht, Christen oder gegenüber dem Regime nicht loyal zu sein, , werden ohne Prozess und oft mit der gesamten Familie in diese Lager deportiert. Hier werden sie zu unmenschlicher Arbeit gezwungen und sind nicht selten Folter und Misshandlung ausgesetzt. Zu den Foltermethoden gehören Schlafentzug, Schläge, sowie stundenlanges Stehen oder Sitzen. Nordkoreanische Flüchtlinge bezeugen die Existenz der Lager, ebenso wie die Anwendung von Folter, öffentliche Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Zwangsabtreibungen und Kindstötung in den Lagern.

Die „International Coalition to Stop Crimes Against Humanity in North Korea“ (ICNK) schätzt, dass jedes Jahr etwa 10.000 Menschen in den Lagern sterben. Nach Angaben von Amnesty International sterben 40 Prozent davon an Unterernährung. Viele der Gefangenen hatten selbst keine Straftat begangen, sondern waren lediglich verwandt mit einer Person, die angeblich ein politisches Verbrechen begangen hat. Die Art der Verbrechen ist ihnen oft unbekannt. Wenn jemand eine Straftat begangen hat, wird er bis in die dritte Generation dafür bestraft, was offiziell Sippenhaft heißt. Kinder, die in den Lagern geboren werden, wachsen als Gefangene auf. Sie kennen nichts anderes als das Leben im Lager, da „ihr Blut schuldig ist“.

Viele der „kleineren“ Vergehen in Nordkorea würden anderorts nicht als Straftat angesehen werden. Dazu gehören beispielsweise: sein Dorf zu verlassen, ohne Erlaubnis innerhalb des Landes zu verreisen, nicht am Arbeitsplatz zu erscheinen oder das Land zu verlassen.

Weiterführende Links

Bilder: CIA World Factbook

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