Mittwoch, 10. Mrz 2010

Problematisch planlose Politiker 2.0.

18. November 2009 von JUICEDaniel  
Kategorien: +Featured, Allgemeines

Face­book, Twit­ter und Stu­diVZ – Soziale Netz­werke sind der­zeit voll im Trend. Auch Poli­ti­ker haben spä­tes­tens seit Obama 2.0 den Wert der digi­ta­len Platt­for­men erkannt und twit­tern um die Wette, pein­li­che Schlamm­schlach­ten wie nach der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl inklusive.

Kin­der brau­chen mehr Medi­en­kom­pe­tenz, schreien Poli­ti­ker laut­hals – und über­se­hen dabei ihre eige­nen Defi­zite in den Wei­ten des Inter­nets, Zen­sur­sula lässt grü­ßen.

Auch einige Medi­en­schaf­fende stim­men zuneh­mend in den Chor der Daten­schüt­zer mit ein und machen mit ihren Fin­gern an der Tas­ta­tur mun­ter auf die Gefah­ren sozia­ler Netz­werke auf­merk­sam. „Bas­hen“ oder „fla­men“ wür­den webaf­fine Nut­zer die meist von wenig Ahnung und Erfah­rung gekenn­zeich­ne­ten Arti­kel über Daten­pan­nen á la Schü­lerVZ nen­nen – und mit einem belus­tig­ten oder wüten­den „WTF“ kommentieren.

Dabei igno­rie­ren ins­be­son­dere Poli­ti­ker auf­grund ihrer Unkennt­nis die wah­ren Gefah­ren des web 2.0. Nicht die hilf­los aus­ge­lie­fer­ten und ahnungs­los aus­ge­späh­ten Kin­der, die um ihre beruf­li­che Zukunft ban­gen müs­sen, sind in Gefahr. In Wirk­lich­keit sind viel tief­grei­fen­dere Sys­teme, Struk­tu­ren und Mecha­nis­men in Gefahr, die all die­je­ni­gen Men­schen betref­fen, die Teil der glo­ba­li­sier­ten - sprich ver­netz­ten - Welt sind.

Die Glaub­wür­dig­keit unse­rer Gesell­schaft ist in Gefahr. Vor allem unsere Poli­ti­ker haben der­zeit ein all­ge­mei­nes Glaub­wür­dig­keits­pro­blem, nicht zuletzt auf­grund zahl­rei­cher nicht ein­ge­lös­ter Wahl­ver­spre­chen im Vier-Jahres-Takt. Was zurück­bleibt sind Frus­tra­tion, Ent­täu­schung, Hoff­nungs­lo­sig­keit. Oder im schlimms­ten Fall gar Gleichgültigkeit.

Thorsten Schäfer-Gümbel - Yo Isch Kann

Eigent­lich nur als Spaß gedacht, wurde die­ses Logo zum „Hessen-Obama“.

Selbst ein Thors­ten Schäfer-Gümbel (SPD), der als Hoff­nungs­trä­ger der Inter­net­kom­pe­tenz gehan­delt wird, kann die­ses Glaub­wür­dig­keits­pro­blem nicht aus der Welt schaf­fen. Und, oh Wun­der, auch US-Präsident Barack Oba­mas Popu­la­ri­tät sinkt trotz web 2.0-Erfolgs kon­ti­nu­ier­lich, die große Welle der Eupho­rie ebbt lang­sam aber sicher ab.

Der Zwang des Dazu­ge­hö­rens und die damit ver­bun­de­nen Kon­se­quen­zen ber­gen eine Gefahr. Jemand, der bei Google nicht gefun­den wird, exis­tiert gar nicht, behaup­ten immer mehr Men­schen – und zwin­gen andere somit, Teil der welt­wei­ten Ver­net­zung zu wer­den. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand, der nicht bei Face­book ange­mel­det ist, als nicht-existent ange­se­hen wird.

Mit­glie­der stört das sehr wenig. Und so zei­gen sie ein gro­ßes Unver­ständ­nis gegen­über Kri­ti­kern. Nur Angst­ha­sen, Pseudo-Intellektuelle oder Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker mei­den Soziale Netz­werke, so der Tenor. Oder hast du etwas zu ver­ber­gen – das Tot­schlag­ar­gu­ment schlechthin.

Und so befin­den sich beson­ders Poli­ti­ker der­zeit in einer Zwick­mühle. Sie kön­nen sich den digi­ta­len Netz­wer­ken nicht ent­zie­hen, brau­chen jede Wäh­ler­stimme. Sie wol­len modern sein und zei­gen, dass sie sich anpas­sen kön­nen und nah­bare Poli­ti­ker sind. Sie wol­len Poli­tik per­so­na­li­sie­ren, den Obama-Faktor mit ins Spiel bringen.

Doch die Inter­net­ge­mein­schaft erkennt den Unter­schied zwi­schen per­sön­li­cher und lei­den­schaft­li­cher Teil­nahme am web 2.0-Geschehen und auf­ge­setz­ter und fremd­ge­steu­er­ter PR. Sie erkennt den Unter­schied zwi­schen begeis­ter­ten Social Media-Fans und künst­lich insze­nier­ter Werbung.

Die Lösung für das Pro­blem heißt schlicht und ein­fach Authen­ti­zi­tät. Schaf­fen es die deut­schen Poli­ti­ker, genauso authen­tisch wie einst Barack Obama das Social Web zu benut­zen, wer­den ihnen die Men­schen begeis­tert glau­ben und ver­trauen. Und somit den Grund­stock  für per­sön­lich plan­volle Poli­ti­ker legen.

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Kommentare

6 Antworten zu “Problematisch planlose Politiker 2.0.”
  1. Kelaja sagt:

    Ach ja… Wie oft durfte ich das jetzt auch schon hören, wenn ich sage, dass ich nicht goo­gel… Es ist immer das Glei­che: „Du und dein Google… so schlimm ist das nicht, ist doch egal, wenn sie das spei­chern, ich hab nichts zu verbergen…“

  2. Hans Kolpak sagt:

    Als ich im April 1999 begann, ohne Pseud­onym im Inter­net zu schrei­ben - es war ein öffent­li­ches Forum - da war mir noch nicht bewußt, daß wir die Macht­struk­tu­ren unse­rer Gesell­schaft ank­rat­zen. Heute rea­gie­ren die Trä­ger von Macht, denn in puncto „Öffent­lich­keit“ ist etwas Neues ent­stan­den, das sich welt­weit der kom­plet­ten Kon­trolle ent­zieht. Und das macht sogar den Mäch­ti­gen Angst, nicht nur in Deutschland.

  3. JUICEDaniel sagt:

    Hans Kol­pak: da war mir noch nicht bewußt

    Gutes Stich­wort für vie­les, was der­zeit so im Web pas­siert. Auch die Ent­wick­lung Google (dürf­ten sich viele nicht bewusst sein bzw. deren Kon­se­quen­zen)… aber das ist ein ande­res Thema ;)

  4. Andreas sagt:

    Nicht zu ver­ges­sen: Das poli­ti­sche Inter­net über­schätzt das Inter­net… Und zwar gewal­tig. Bes­tes Bei­spiel: Im eige­nen Dunst­kreis gefan­gene Pira­ten, die von 5% träum­ten, aber grade ein­mal 1,9% beka­men, obwohl ihnen das Netz gehörte, jeder Pool, ich meien Vote und über­haupt die ganze Szene…

    Aber zur Medi­en­kom­pe­tenz passt es ja ganz gut, dass die werte Dame, die das BuPräs-Ergebnis vorab twit­terte nun Minis­ter­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin (ham­mer wort gel) in RLP sein wird.

  5. JUICEDaniel sagt:

    Andreas: Das poli­ti­sche Inter­net über­schätzt das Inter­net… Und zwar gewaltig.

    Kor­rekt. Aber wohl nur des­halb, weil sie falsch damit umge­hen. Weil sie das POLITISCHE Inet sind, wie du so schön schreibst, und nicht das Inet. Sie sind Teil von einem Inet, aber ein abge­grenz­ter Teil. Oder bes­ser gesagt ein sich selbst abgren­zen­der Teil.

    Und wäre das nicht so - wür­den sie es wie Obama im Wahl­kampf nut­zen, ist meine Behaup­tung, sähe das mit der Rele­vanz im Web plötz­lich alles ganz anders aus. Mal sehen, wann es der erste deut­sche Poli­ti­ker wirk­lich begreift und das Inet wirk­lich benutzt (sprich: Aus Lei­den­schaft und Über­zeu­gung selbst benutzt). Ver­mut­lich dau­ert das noch 20 Jahre und dann kom­men die digi­tal nati­ves ;) (Es wird sicher nicht so lange dau­ern - das wäre ja furchtbar!)

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  1. […] kann. Das Tot­schlag­ar­gu­ment schlecht­hin habe ich bereits im ver­gan­ge­nen Novem­ber kri­ti­siert. Eric Schmidt hat übri­gens noch wei­tere haar­sträu­bende Dinge gesagt: „Je mehr wir über […]



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