Donnerstag, 11. März 2010

Google Nacht: Wirtschaftliche Aspekte - Diversifikation, Portfoliomanagement und Investition.

4. Februar 2010 von Kelaja  
Kategorien: Google

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2. Wirt­schaft­li­che Aspekte: Diversifikation, Port­fo­lio­ma­nage­ment und Investition

In die­sem Abschnitt werde ich auf einige Aspekte ein­ge­hen, die im wirt­schaft­li­chen Kon­text eine wich­tige Rolle spie­len. Dazu erläu­tere ich Manage­ment­stra­te­gien und Unter­neh­mens­ent­schei­dun­gen und über­prüfe, inwie­weit sich Google an diese theo­re­ti­schen Kon­zepte hält und womit mög­li­che Abwei­chun­gen begrün­det wer­den kön­nen.

Diver­si­fi­ka­tion

Google erwei­tert seine Pro­dukt­pa­lette durch den Auf­kauf vie­ler Anbie­ter und sichert sich so Wett­be­werbs­vor­teile gegen­über der Kon­kur­renz. Die Kun­den von Google bekom­men ihre Dienst­leis­tun­gen aus einer Hand – und das zu sehr hoher Qua­li­tät. Man braucht keine Extra­pro­gramme mehr wie Out­look, Rou­ten­pla­ner, Kalen­der, Wör­ter­bü­cher oder Tages­zei­tun­gen: Google bie­tet alles in einem.

Das Unter­neh­men aus Moun­tain View fil­tert die Daten her­aus und lie­fern, trotz aller Kri­tik, gute Ergeb­nisse. Durch seine vie­len ver­schie­de­nen Betei­li­gun­gen ist Google inzwi­schen zu einem late­ral diver­si­fi­zier­ten Unter­neh­men gewor­den. Das heißt, die ein­zel­nen Geschäfts­teile hän­gen nicht mehr unmit­tel­bar anein­an­der, son­dern ste­hen unver­bun­den nebeneinander.

Mit gutem Wil­len kann man das Unter­neh­men auch als ver­ti­kal diver­si­fi­ziert ein­stu­fen, was bedeu­ten würde, dass Google seine Geschäfts­be­rei­che um vor- und nach­ge­la­gerte Seg­mente erwei­tern würde (wie z.B. ein Auto­her­stel­ler, der seine Sitze selbst pro­du­ziert oder eigene Auto­häu­ser eröffnet).

Die Vor­teile hier­bei sind im Wesent­li­chen, dass man unab­hän­gi­ger ist und durch Auf­ga­ben­zen­tra­li­sie­rung sei­nen Unter­neh­mens­wert stei­gern kann, weil weni­ger Kos­ten für Ver­wal­tung und Mar­ke­ting ent­ste­hen. Da bei Google jedoch Berei­che wie Zei­chen­pro­gramme, Kalen­der, Kar­ten und Brow­ser – ins­be­son­dere aber das Video­por­tal YouTube und die Gen­for­schung – nicht wirk­lich mit­ein­an­der ver­bun­den sind, ist es plau­si­bel von einem late­ra­len, sprich unver­bun­de­nen Kon­zern zusprechen.

Port­fo­lio­ma­nage­ment

Die zen­trale Frage des Port­fo­lio­ma­nage­ments lau­tet: Wie kann die Unter­neh­mens­lei­tung sicher­stel­len, dass der Unter­neh­mens­wert des Kon­zerns grö­ßer ist, als die Summe der Ein­zel­werte des Kon­zern­un­ter­neh­mens? Das bedeu­tet, dass ein Kon­zern durch den Erwerb eines ande­ren Unter­neh­mens sei­nen Wert stei­gert, indem die­ses Geschäft dem Kon­zern­ver­bund (finan­zi­ell oder auch ima­ge­mä­ßig) einen höhe­ren Nut­zen lie­fert, als die mit dem Erwerb und der Unter­hal­tung ver­bun­de­nen Kos­ten. Port­fo­lio­ma­nage­ment ist also die Zusam­men­stel­lung und Ver­wal­tung eines Bestan­des an Inves­ti­tio­nen oder Unternehmensteilen.

Zur Beant­wor­tung die­ser Frage gibt es drei Grund­sätze:

  1. Alle Geschäfts­fel­der soll­ten für sich einen posi­ti­ven Wert­bei­trag leisten.
  2. Der Kon­zern­ver­bund als Gan­zes sollte mehr wert sein als die Summe der ein­zel­nen Unternehmensteile.
  3. Best Ownership: D.h. der Wert­bei­trag ein­zel­ner Geschäfte zu dem Mut­ter­un­ter­neh­men sollte den Wert­bei­trag über­stei­gen, den diese Geschäfte poten­ti­el­len alter­na­ti­ven Eigen­tü­mern bie­ten würden.

Wenn man Google anhand die­ser Grund­sätze unter­sucht, wird schnell klar, dass diese Rech­nung nicht auf gehen kann. Wenn jedes Geschäfts­feld einen posi­ti­ven Wert­bei­trag leis­ten soll, heißt das, dass ein­zelne Spar­ten über län­gere Zeit kei­nen Ver­lust machen dür­fen, da sie sonst ver­kauft wer­den, um so den Wert des Unter­neh­mens zu steigern.

Doch schon gegen die­sen ers­ten Grund­satz ver­stößt Google mit beein­dru­cken­der Gleich­gül­tig­keit. Der Schwei­zer Finanz­dienst­leis­ter Credit Suisse rech­net vor, dass Google mit sei­nem Video­por­tal YouTube im Jahr 2009 einen Ver­lust von etwa 470 Mil­lio­nen schrei­ben wird, was die Divi­dende der Aktio­näre schmä­lert. Das ist ein Ver­lust von 1,3 Mil­lio­nen US-Dollar pro Tag. Doch Google sieht das gelas­sen und glaubt fest daran, dass YouTube noch ein lukra­ti­ves Geschäft wer­den wird. Fra­gen, ob es nicht Zeit wäre, das Hand­tuch zu wer­fen und das Por­tal auf­zu­ge­ben, wer­den nicht ganz ernst genom­men. So ant­wor­tete Eric Schmidt in einem Inter­view mit der FTD auf diese Frage mit einem iro­ni­schen “Who would sug­gest that?“.

Aber jeder, der etwas von Inves­ti­tion ver­steht, muss sich unwei­ger­lich fra­gen, wie eine Inves­ti­tion von über 1,65 Mil­li­ar­den US-Dollar vor­teil­haft sein kann (d.h. einen Kapi­tal­wert grö­ßer Null auf­wei­sen kann), wenn die erwar­te­ten Zah­lungs­ströme gegen Null gehen. Ent­we­der haben sich die Con­trol­ler bei Google gehö­rig ver­rech­net, als sie den Deal durch­ge­gan­gen sind (z.B. durch einen Vor­zei­chen­feh­ler), oder aber – was weit­aus wahr­schein­li­cher ist – sie haben eine risi­ko­ad­jus­tier­ten Zins­satz von 0 ange­nom­men. Aber selbst unter die­sen Umstän­den müsste YouTube einen Gewinn von etwa 100 Mil­li­ar­den US-Dollar auf­wei­sen, um sich inner­halb von 16 Jah­ren zu amor­ti­sie­ren, Traf­fickos­ten, Gebüh­ren und Lizen­zen noch nicht berücksichtigt.

Allein eine Anlage bei der Bank zu einem Zins­satz von 5 Pro­zent1 würde im Durch­schnitt in 16 Jah­ren 111 Mil­lio­nen brin­gen. Und Google nimmt ein­fach mal so 470 Mil­lio­nen pro Jahr Ver­lust in Kauf. Warum?

Eine mög­li­che Ant­wort könnte sein, dass Google eben alles anbie­ten möchte, was es im Inter­net an Daten gibt. Eben auch die Videos. Es gehört zu sei­ner Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie – und dafür ist Google auch bereit zu zahlen.

Die Zweite, viel beängs­ti­gen­dere Ant­wort, könnte lau­ten, dass Google auch hier seine Kern­kom­pe­tenz (das Sam­meln und Auf­be­rei­ten von Daten) nicht ver­nach­läs­si­gen möchte. Es wer­den alle ange­klick­ten Videos gespei­chert und Google weiß, wofür sich jeder Nut­zer inter­es­siert und kann auf diese Weise spe­zi­ell die Videos her­vor­he­ben, die gezielt unser Inter­esse anspre­chen. Mit­hilfe von AdSense 2 erwirt­schaf­tet Google durch hohe Klick­ra­ten auf die Wer­bung (nicht nur Wer­be­ban­ner, auch Text­wer­bung) enorme Umsätze.

Allein im Jahr 2008 erzielte Google Umsatz­er­löse von 21,80 Mil­li­ar­den US-Dollar und ein Vor­steu­er­er­geb­nis (d.h. Erlöse abzüg­lich Kos­ten und Zin­sen) von 5,85 Mil­li­ar­den US-Dollar. Und das mit „nur“ knapp über 20.000 Mit­ar­bei­tern. Im jüngst ver­öf­fent­lich­ten Bericht von Google für das Jahr 2009 waren es schon 23,65 Mil­li­ar­den US-Dollar Umsatz, davon blie­ben stolze 6,5 Mil­li­ar­den Dol­lar Net­to­ein­kom­men übrig. (via basic­t­hin­king)

Im Ver­gleich dazu wirkt bei­spiels­weise die Deut­sche Tele­kom abso­lut inef­fi­zi­ent. Trotz eines Umsat­zes von 61,66 Mil­li­ar­den Euro (90,95 Mil­li­ar­den US-Dollar) konnte sie 2008 ledig­lich einen Gewinn von 3,45 Mil­li­ar­den Euro (5,15 Mil­li­ar­den US-Dollar) erzie­len, und das mit 235.000 Mit­ar­bei­tern. Das zeigt ein­drucks­voll, dass die Deut­sche Tele­kom trotz nahezu zwölf­mal so vie­len Mit­ar­bei­tern im End­ef­fekt weni­ger Gewinn erwirt­schaf­tet, als das bedeu­tend jün­gere Medi­en­un­ter­neh­men Google Inc.

Den zwei­ten Grund­satz, als Kon­zern­ver­bund mehr wert zu sein als die Summe der ein­zel­nen Unter­neh­mens­teile, erfüllt Google im Wesent­li­chen, da der Kon­zern durch den Zusam­men­schluss ver­schie­de­ner Unter­neh­mens­teile einen posi­ti­ven Mehr­wert schafft. Die Vor­teile lie­gen auf der Hand: Durch den Zusam­men­schluss kön­nen Teile der Ver­wal­tung zen­tra­li­siert wer­den und somit im Ver­gleich zu den unab­hän­gi­gen Ein­zel­un­ter­neh­men Kos­ten­er­spar­nisse rea­li­siert wer­den. So kann Google im Ver­gleich zu den ein­zel­nen Unter­neh­men etwa die Per­so­nal­kos­ten im Manage­ment­be­reich oder Ein­kaufs­preise redu­zie­ren. Sie kön­nen Auf­ga­ben, die vor­her meh­rere Leute erfüllt haben, auf weni­ger Mit­ar­bei­ter ver­tei­len oder sind im Ein­kauf nicht mehr so stark von Zulie­fe­rern abhän­gig. Auf diese Weise erzie­len sie güns­ti­gere Einkaufspreise.

Inwie­weit der letzte Grund­satz von Google, das „Best Ownership“ erfüllt wird, lässt sich schwer sagen. Grund­satz ist, dass der Wert­bei­trag ein­zel­ner Geschäfte zu dem Mut­ter­un­ter­neh­men höher sein sollte, als der Wert­bei­trag, den diese Geschäfte in der Hand mög­li­cher alter­na­ti­ver Eigen­tü­mer erzie­len wür­den. Denn sonst wäre ein Unter­neh­men bereit, die­sen Teil selbst zu kau­fen, weil die erwar­te­ten Rück­flüsse aus der Inves­ti­tion abge­zinst auf den heu­ti­gen Zeit­punkt den Kauf­preis über­stei­gen wür­den (Kapi­tal­wert­rech­nung). Inwie­fern Google davon betrof­fen ist, lässt sich schlecht sagen, da durch die hohe Markt­macht ein Ver­kauf nicht nötig ist.

Inves­ti­tion

Wie bereits im vori­gen Teil gezeigt, ist die Inves­ti­tion von Google in YouTube aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht nicht nach­voll­zieh­bar. Die Inves­ti­tion in Dou­ble­Click ist ver­ständ­lich und ergibt auch bei betriebs­wirt­schaft­li­cher Betrach­tung Sinn. Aber inwie­weit teure Auf­käufe von klei­nen Unter­neh­men für Google wirk­lich lukra­tiv sind, ist der­zeit nicht beant­wort­bar. Offen­sicht­lich ist jedoch, dass durch die Erwei­te­run­gen immer neue Geschäfts­fel­der geschaf­fen wer­den sol­len, die ein­zig über Wer­bung finan­ziert wer­den kön­nen, da Google nahezu alle haus­ei­ge­nen Dienste kos­ten­los anbietet.

Mitt­ler­weile bie­tet Google sogar eine eigene Pro­gram­mier­spra­che an, eben­falls kos­ten­los. Mein per­sön­li­ches High­light der kos­ten­lo­sen Ange­bote Googles ist die Aus­rüs­tung von Flug­hä­fen in den USA mit WLAN. Alles ein­zig und alleine durch Wer­bung finan­ziert. Doch die Vor­teile sind oft auf den ers­ten Blick nicht genau ersicht­lich. Glei­ches gilt für Googles eige­nes Betriebs­sys­tem Chrome OS, das in Kürze erscheint. Natür­lich kostenlos.


  1. Ein Richt­wert für den Kal­ku­la­ti­ons­zins sind zirka 10 bis 15 Pro­zent, abhän­gig von den Ren­di­te­zie­len, die ein Unter­neh­men hat ↩
  2. Googles eige­nes Wer­be­pro­gramm, das auf Inter­net­sei­ten kon­text­be­zo­gene Wer­bung ein­blen­det ↩

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„Offenes, neugieriges, nettes und verständnisvolles Wesen männlichen Geschlechts - und kein Oxymoron. Das bin ich... vielleicht?“

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