Sonntag, 21. März 2010

Google Nacht: Monopole und Google Analytics.

6. Februar 2010 von Kelaja  
Kategorien: Google

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Mono­pole und Google

Arten von Monopolen

Es gibt drei Haupt­ar­ten von Mono­po­len. Natür­li­che, recht­li­che und ver­trag­li­che Mono­pole, die auf ver­schie­dene Wei­sen ent­ste­hen.

  1. Ein natür­li­ches Mono­pol bil­det sich ohne staat­li­che Ein­griffe, z. B. weil ein Unter­neh­men als ein­zi­ges auf beson­dere Mate­ria­lien zugrei­fen kann oder über spe­zi­elle Tech­no­lo­gien ver­fügt. Dadurch ent­ste­hen Wett­be­werbs­vor­teile, die zu Mono­pol­stel­lun­gen füh­ren kön­nen. Außer­dem kön­nen natür­li­che Mono­pole durch Markt­ein­tritts­bar­rie­ren ent­ste­hen, vor allem dann, wenn eine auf­wän­dige Infra­struk­tur not­wen­dig ist, wie es bei Eisen­bahn­net­zen oder der Ver­sor­gung mit Strom, Was­ser oder Gas der Fall ist.
  2. Das recht­li­che Mono­pol ent­steht durch gesetz­li­che Bestim­mung. Recht­li­che Mono­pole fin­det man heute beim Staat und bei ehe­ma­li­gen Staats­be­trie­ben, etwa beim Brief­mo­no­pol, doch sie wer­den sel­te­ner. Auch zeit­lich begrenzte Patente zäh­len zu recht­li­chen Mono­po­len, bei­spiels­weise bei neuen Medikamenten.
  3. Ver­trag­li­che Mono­pole kom­men durch Abspra­chen der Anbie­ter zustande, wenn ein bestimm­ter (Mindest-)Preis nicht unter­schrit­ten wer­den soll. So sind die Gewinne höher, als es im freien Wett­be­werb der Fall wäre. Daher sind sol­che Abspra­chen (Kar­telle) in den meis­ten Län­dern nicht erlaubt.

Eine vierte Form von Mono­po­len stellt das Quasi-Monopol dar. Es ist kein ech­tes Mono­pol, da es in die­sem Fall mehr als einen Anbie­ter gibt, kommt aber den Aus­wir­kun­gen eines ech­ten Mono­pols sehr nahe. Es ent­steht, wenn ein Anbie­ter auf­grund eines sehr star­ken natür­li­chen Wett­be­werbs­vor­teils gegen­über ande­ren Anbie­tern eine markt­be­herr­schende Stel­lung hat.

Quasi-Monopole gibt es beson­ders häu­fig in der IT-Branche. Eines der bekann­tes­ten Bei­spiele für ein Quasi-Monopol ist Micro­soft, das mit Micro­soft Win­dows für PC-Betriebs­sys­teme und mit Micro­soft Office für Office-Suiten eine sehr starke Markt­stel­lung innehat.

Auch Google hat ein Quasi-Monopol, aller­dings auf einem ande­ren Gebiet – näm­lich dem Such­ma­schi­nen­markt und zum Teil auch Dienst­leis­tungs­markt (haupt­säch­lich im Inter­net). Diese Mono­pol­stel­lung ist angreif­bar, weil man alle Dienste, die Google anbie­tet auch durch andere Anbie­ter erset­zen kann. Noch.

Um diese Vor­macht­stel­lung zu sichern, ver­folgt das Unter­neh­men eine sehr aggres­sive Markt­stra­te­gie, in dem es viele poten­ti­elle Kon­kur­ren­ten auf­kauft oder eigene Pro­dukte ent­wi­ckelt. Durch die meist gute Qua­li­tät schafft es Google, eine grö­ßere Abhän­gig­keit von sich zu schaf­fen. Da die Dienst­leis­tun­gen kos­ten­los ange­bo­ten wer­den, nei­gen die Benut­zer viel eher dazu, die­sen Ser­vice in Anspruch zu neh­men. Google Inc. ver­sucht auf diese Weise, die Men­schen mehr und mehr an ihre kos­ten­lo­sen Dienste zu bin­den. Wirt­schaft­lich gese­hen ein nor­ma­les Ver­hal­ten eines jeden Unter­neh­mens, das seine Exis­tenz sichern möchte. Nur für die End­nut­zer ist das gefähr­lich, weil sie sich, bzw. ihre per­sön­li­chen Daten, in die Hände eines ein­zi­gen Unter­neh­mens geben. Vom „Aus­ster­ben“ ande­rer Anbie­ter und den damit ver­bun­de­nen Wett­be­werbs­rück­gang ganz zu schweigen.

Google Ana­lytics: Bereits ein Monopol?

Wer nach kos­ten­lo­sen Sta­tis­tik­pro­gram­men zur Ana­lyse sei­ner Web­sei­ten­be­su­cher sucht, fin­det nur noch eine rela­tiv kleine Aus­wahl an Dienst­leis­tun­gen. Das war nicht immer so, doch mit Google Ana­lytics hat sich die Situa­tion schnell geän­dert. Die ein­zige nen­nens­werte Open Source-Alternative zu Google Ana­lytics ist Piwik, Nach­fol­ger von phpMyVisites.

All­ge­meine Ana­ly­se­tools gibt es noch en masse, Peer Wan­di­ger stellt auf sei­nem Blog einige davon vor.

Doch bei der Ana­lyse der Besu­cher nutz­ten bereits vor zwei Jah­ren etwa 60 Pro­zent aller Web­sei­ten Google Ana­lytics zur Erhe­bung ihrer Sta­tis­ti­ken. Die Seite Ontraxx.net gab sogar an, dass rund 80 Pro­zent der Top 300.000-Webseiten Google Ana­lytics nutze1. Wer also Google aus dem Weg gehen möchte, darf im Prin­zip kaum noch im Netz sur­fen bzw. sich nur noch auf weni­gen Sei­ten aufhalten.

Somit ist es nahe­lie­gend, dass Google auch auf dem Markt für Web­sta­tis­ti­ken ein Quasi-Monopol besitzt. Nun stellt sich die Frage nach dem „Warum“. Die Frage, warum so viele Benut­zer Google Ana­lytics benut­zen, ist schnell beant­wor­tet: Weil es kos­ten­los ist. Andere Anbie­ter mit ver­gleich­ba­rem Ser­vice haben große Unter­neh­men frü­her viel Geld gekos­tet. Heute kön­nen sie sich dank Google das Geld spa­ren und bekom­men zum Teil sogar noch bes­sere Aus­wer­tun­gen. Das zeigt: Google selbst ist auch an einer mög­lichst umfas­sen­den, genauen und detail­lier­ten Aus­wer­tung aller mög­li­chen Nut­zer­da­ten inter­es­siert. Google Ana­lytics bie­tet all diese Daten sogar in Echt­zeit. Wenn man also die Wahl hat zwi­schen einem kos­ten­lo­sen Anbie­ter mit exzel­len­ter Qua­li­tät und einem weni­ger bekann­ten und zugleich kos­ten­pflich­ti­gen Anbie­ter hat – wer würde da nicht zur kos­ten­lo­sen Ver­sion grei­fen? Selbst das kos­ten­lose Sta­tis­tik­tool Piwik ist längst nicht so gut wie Google Ana­lytics und kos­tet zudem zusätz­li­che Ser­ver­res­sour­cen, da es selbst instal­liert wer­den „muss“. Dass dabei keine Daten an externe Anbie­ter wei­ter­ge­ge­ben wer­den, spielt für die wenigs­ten eine Rolle.

Kurzum: Auch hier bie­tet Google alle wich­ti­gen Daten, die von Inter­esse sind, aus einer Hand an. Alter­na­ti­ven wer­den mit die­ser Kostenlos-Strategie immer weni­ger. Eine kos­ten­pflich­tige Alter­na­tive, die es noch gibt, stammt von Etra­cker. Bekannte Kun­den wie Otto, Jack Wolfs­kin oder die Deut­sche Bahn schaf­fen da ein gewis­ses Ver­trauen (wobei Deut­sche Bank nach dem Daten­skan­dal mit Vor­sicht zu genie­ßen ist, aber das ist ein ande­res Thema).

Etra­cker über­zeugt vor allem mit den offe­nen und kla­ren Anga­ben über den Daten­schutz und die begrün­dete War­nung vor kos­ten­lo­sen Anbie­tern:

Vor­sicht kos­ten­los! - Ach­tung: Sie zah­len mit Ihren Daten

Bei kos­ten­lo­sen Sys­te­men zah­len Sie mit wert­vol­lem Gut: mit den Daten Ihrer Besu­cher. Sie ermög­li­chen dem Dienst­an­bie­ter detail­lierte Ein­bli­cke in Ihr Geschäfts­mo­dell und in die Effek­ti­vi­tät Ihres Online-Marketings. Ihre Daten wer­den hier­bei häu­fig nicht nur an Dritte ver­äu­ßert, son­dern die­nen dem Analyse-Anbieter auch dazu, sei­nen Umsatz und seine Ren­dite zu optimieren (…).

Bei der Frage, was Etra­cker von kos­ten­lo­sen Analytic-Tools unter­scheide, ant­wor­tet das Unternehmen:

Wäh­rend etra­cker als Anbie­ter kom­mer­zi­el­ler Lösun­gen den Betrieb und die Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner Soft­ware über die erho­be­nen Lizenz­kos­ten finan­ziert, erfolgt die Finan­zie­rung bei Anbie­tern kos­ten­freier Tools in der Regel über die Mone­ta­ri­sie­rung der erho­be­nen Daten. Diese Anbie­ter kön­nen ihr Tool nur des­halb lizenz­kos­ten­frei anbie­ten, weil sie die sen­si­blen Kun­den­da­ten für eigene Zwe­cke wei­ter­ver­wen­den oder an Dritte veräußern.

Die „Ver­äu­ße­rung sen­si­bler Kun­den­da­ten an Dritte“, wie Etra­cker es nennt, strei­tet Google selbst immer wie­der vehe­ment ab. Doch nach­prü­fen kann es kei­ner. Und selbst wenn Google die Wahr­heit sagt, sind die Nut­zer­da­ten immer noch eine „stille Kapi­tal­re­serve“, wie der Spie­gel es tref­fend nannte.

Wei­tere nen­nens­werte Alter­na­ti­ven unab­hän­gi­ger Sta­tis­tik­tools für den Online­markt sind neben Etra­cker rar gesät. Viele der frü­he­ren Anbie­ter muss­ten sich dem Kos­ten­druck Googles geschla­gen geben und die Kof­fer packen.

Das Dilemma ist eigent­lich offen­sicht­lich: Jeder weiß doch ins­ge­heim, dass man hetu­zu­tage nichts geschenkt bekommt. Und doch ver­schlie­ßen wir unsere Augen davor und bezah­len mit unse­ren Daten. Die Vogel­strauß­va­ri­ante „Kopf in den Sand ste­cken und glau­ben: ‚Ich sehe die Gefahr nicht, also ist sie nicht da‘“ ist auch keine Lösung.

Es wer­den jedoch auch immer mehr Stim­men laut, die sich gegen den Ein­satz von Google Ana­lytics wen­den. Daten­schüt­zer sehen die Gefahr, dass per­so­nen­be­zo­gene Daten aus ver­schie­de­nen Diens­ten durch Google Ana­lytics zusam­men­ge­führt wer­den und man so genauere Pro­file der Nut­zer erhält. Auch die Tat­sa­che, dass die meis­ten Web­sei­ten auf die Wei­ter­gabe der Daten an Google nicht hin­wei­sen, birgt Risi­ken: So bezeich­net Dr. Sebas­tian Kraska die der­zei­tige Situa­tion als „ein Ver­stoß gegen das Tele­me­di­en­ge­setz (TMG)“. Nut­zern von Google Ana­lytics wird daher emp­foh­len, bis auf wei­te­res auf den Ein­satz des Sta­tis­tik­pro­gramms zu ver­zich­ten. Rechts­an­walt Sebas­tian Wolff-Marting:

Da § 16 TMG für Ver­stöße gegen das Daten­schutz­recht ein Buß­geld in Höhe von bis zu € 50.000,- vor­sieht, ist es für Web­sei­ten­be­trei­ber an der Zeit, sich um die daten­schutz­recht­li­che Zuläs­sig­keit des eige­nen Tracking­sys­tems, sofern ein sol­ches ver­wen­det wird, Gedan­ken zu machen.

Doch bis­lang ist noch nicht geklärt, ob IP-Nummern unter per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten nach §13 TMG fal­len oder nicht. Mit die­ser Frage müs­sen sich Recht­spre­chung und Daten­schüt­zer in den kom­men­den Wochen erst noch befas­sen. Bis dahin bleibt alles beim Alten. Leider.


  1. Auf Ontraxx.net kann man tes­ten, wel­che Web­sei­ten externe Dienst­leis­ter zur Ana­lyse ein­set­zen, sprich Daten zwecks Besu­cher­sta­tis­tik an andere Ser­ver wie von Google sen­den ↩

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