Deutscher Road Trip „Friendship!“: Zwei Ossis in Amerika.
25. Januar 2010 von JUICEDaniel
Kategorien: +Featured, Rezension
Die zwei junÂgen Ossis Tom (MatÂthias SchweigÂhöÂfer) und Veit (FriedÂrich Mücke) flieÂgen kurz nach dem ZusamÂmenÂbruch der DDR nach AmeÂrika. Dort möchte Veit seiÂnen Vater in San FranÂcisco trefÂfen. Da ihr Geld nur bis nach New York reicht, entÂscheiÂden sich die beiÂden, bis nach San FranÂcisco zu tramÂpen – und das AbenÂteuer beginnt.
Bereits am FlugÂhaÂfen pasÂsiert ihr ersÂtes MalÂheur: Die ahnungsÂloÂsen Ossis begrüÂßen den ZollÂbeÂamÂten mit erhoÂbeÂner Faust und einem gut gelaunÂten „We’re free comÂmuÂnists. FriÂendship“. DarÂaufÂhin werÂden Tom und Veit erst einÂmal gründÂlich bis auf die UnterÂhose unterÂsucht, ehe sie den FlugÂhaÂfen verÂlasÂsen dürfen.
Auf dem Weg nach San FranÂcisco begegÂnen die beiÂden Freunde den verÂschieÂdensÂten AmeÂriÂkaÂnern, von harÂten Bikern über humorÂvolÂlen PoliÂzisÂten bis hin zu zwei heiÂßen Frauen: Doch Sex ohne KonÂdome wolÂlen die beiÂden Chicks nicht, und als ihr Vater auch noch überÂraÂschenÂderÂweise zu früh nach Hause kommt, müsÂsen Tom und Veit halbÂnackt vor desÂsen SchrotÂflinte flüchten.
An einer RastÂstätte schlieÂßen sie sich einer Gruppe MotorÂradÂfahÂrer an, ehe sie von einem der Biker als verÂmeintÂliÂche KomÂmuÂnisÂten angeÂgrifÂfen werÂden. Da ergreiÂfen sie die Chance, das Auto eines Rockers zu desÂsen CouÂsin zu fahÂren. GlückÂliÂcherÂweise wohnt dieÂser ganz in der Nähe von San FranÂcisco, ihrem Ziel.
UnterÂwegs genieÂßen sie ihre verÂmeintÂliÂche FreiÂheit und fahÂren ausÂgeÂlasÂsen SchlanÂgenÂliÂnien auf der Straße. Prompt hält sie die PoliÂzei an, was den beiÂden äußerst unanÂgeÂnehm ist. Denn Veit trägt nur eine UnterÂhose und Toms HinÂtern ist ausÂschließÂlich mit einer zu locker sitÂzenÂden ameÂriÂkaÂniÂschen Flagge bedeckt. So lerÂnen sie auch noch den ameÂriÂkaÂniÂschen Knast von innen kennen.
Tags darÂauf trefÂfen sie in einer „rieÂsiÂgen KaufÂhalle“ auf die deutsch spreÂchende Zoey (AliÂcja Bachleda-Curus). Die beiÂden Ossis verÂlieÂben sich - na klar - in die hübÂsche AmeÂriÂkaÂneÂrin, und es kommt zu ihrem ersÂten groÂßen Streit. Doch auch der dickste Streit kann die besÂten Freunde nicht trenÂnen, und so verÂsöhÂnen sich Tom und Veit kurz darÂauf in San FranÂcisco – mit einem überÂraÂschenÂden Ende.
Die deutÂsche ProÂdukÂtion merkt man „FriÂendship!“ deutÂlich an: Ein Road Trip, der ohne die typiÂschen Hollywood-Allüren ausÂkommt, ohne GlaÂmour und Gewalt, und das tut dem Film sichtÂlich gut. Die DiaÂloge sind authenÂtisch, die HandÂlung kurzÂweiÂlig und die SchauÂspieÂler überÂzeuÂgend. Zwar bedient sich die KomöÂdie von RegisÂseur MarÂkus GolÂler ab und an ein paar KliÂschees, doch die wirÂken stets pasÂsend und keiÂnesÂfalls aufgesetzt.
HöheÂpunkt des Films ist ein ausÂgieÂbiÂger Strip der ostÂdeutÂschen Jungs in Russen-Uniform in einer Schwulen-Discothek, der herzÂhafte Lacher garanÂtiert. ÜberÂhaupt gelingt es dem Film mehrÂmals zu überÂraÂschen; selÂten weiß man, was als nächsÂtes pasÂsiert. „FriÂendship!“ schafft es auf eine kreaÂtive Weise die auf wahÂrer BegeÂbenÂheit basieÂrende Geschichte zweier Freunde darzustellen.
Die beiÂden HauptÂdarÂstelÂler MatÂthias SchweigÂhöÂfer und FriedÂrich Mücke überÂzeuÂgen mit ihrer symÂpaÂthiÂschen Art, wähÂrend AliÂcja Bachleda-Curu? als weibÂliÂche HauptÂfiÂgur die nötige AbwechsÂlung mit sich bringt. Viele SzeÂnen komÂmen ohne aufÂwenÂdige HinÂterÂgrundÂkuÂlisÂsen aus, was dem Film keiÂnen Abbruch tut. StattÂdesÂsen spreÂchen oftÂmals die beeinÂdruÂckenÂden LandÂschaftsÂaufÂnahÂmen für sich. DieÂser Film macht Lust auf die USA und zeigt auf unterÂhaltÂsame und tiefÂgeÂhende Weise, wie toll und wertÂvoll FreundÂschaft sein kann. FriÂendship! ist voll aus dem Leben und zugleich erfriÂschend anders.



















„Eine Geschichte von 2 OstÂdeutÂschen, die nach der Wende einen Trip durch die USA machen. ErfriÂschenÂdes Road-Movie, bei dem die teils zwar alten Gags durch ostÂdeutÂsches Flair doch wieÂder frisch wirÂken. Hat mir spass gemacht, das ganze.“ um einen meiÂner BeiÂträge auf serenity-revolt zu Zitieren ^^
Setz doch noch den Link dazu (du darfst das natürÂlich als JUICEDblog-Redakteur): http://blog.serenity-revolt.de/?p=254 :)
13 SemesÂter habe ich übriÂgens auch geseÂhen (schon im NovemÂber in der TU DarmÂstadt ;) ) und finde den Film ähnÂlich toll. DeutÂsche Filme im AufÂwind, yeah!
Zu deiÂnem Zitat „Ich bin nun leiÂder kein StuÂdent, aber der Film wirkte für mich relaÂtiv authenÂtisch, wobei ich mir von ein paar echÂten StuÂdenÂten habe sagen lasÂsen, dass es seit BacheÂlor und MasÂter nicht mehr wirkÂlch passt.“:
Der Film IST nach wie vor authenÂtisch, wobei BacheÂlor mehr Schule als StuÂdium geworÂden ist (in vieÂlen TeiÂlen) und daher nicht mehr so ganz zu 13 SemesÂter passt. Aber das ist ein ProÂblem von BacheÂlor, der typÂtiÂsche StuÂdent gerät in Gefahr, ausÂzuÂsterÂben. (Hetze, mögÂlichst schnell durchÂzuÂkomÂmen… kein Leben mehr, kein FreiÂraum, keine Freizeit.)