Samstag, 20. März 2010

Deutscher Road Trip „Friendship!“: Zwei Ossis in Amerika.

25. Januar 2010 von JUICEDaniel  
Kategorien: +Featured, Rezension

Bild: friendship-derfilm.de

Die zwei jun­gen Ossis Tom (Mat­thias Schweig­hö­fer) und Veit (Fried­rich Mücke) flie­gen kurz nach dem Zusam­men­bruch der DDR nach Ame­rika. Dort möchte Veit sei­nen Vater in San Fran­cisco tref­fen. Da ihr Geld nur bis nach New York reicht, ent­schei­den sich die bei­den, bis nach San Fran­cisco zu tram­pen – und das Aben­teuer beginnt.

Bild: friendship-derfilm.de

Bereits am Flug­ha­fen pas­siert ihr ers­tes Mal­heur: Die ahnungs­lo­sen Ossis begrü­ßen den Zoll­be­am­ten mit erho­be­ner Faust und einem gut gelaun­ten „We’re free com­mu­nists. Fri­endship“. Dar­auf­hin wer­den Tom und Veit erst ein­mal gründ­lich bis auf die Unter­hose unter­sucht, ehe sie den Flug­ha­fen ver­las­sen dürfen.

Auf dem Weg nach San Fran­cisco begeg­nen die bei­den Freunde den ver­schie­dens­ten Ame­ri­ka­nern, von har­ten Bikern über humor­vol­len Poli­zis­ten bis hin zu zwei hei­ßen Frauen: Doch Sex ohne Kon­dome wol­len die bei­den Chicks nicht, und als ihr Vater auch noch über­ra­schen­der­weise zu früh nach Hause kommt, müs­sen Tom und Veit halb­nackt vor des­sen Schrot­flinte flüchten.

An einer Rast­stätte schlie­ßen sie sich einer Gruppe Motor­rad­fah­rer an, ehe sie von einem der Biker als ver­meint­li­che Kom­mu­nis­ten ange­grif­fen wer­den. Da ergrei­fen sie die Chance, das Auto eines Rockers zu des­sen Cou­sin zu fah­ren. Glück­li­cher­weise wohnt die­ser ganz in der Nähe von San Fran­cisco, ihrem Ziel.

Bild: friendship-derfilm.de

Unter­wegs genie­ßen sie ihre ver­meint­li­che Frei­heit und fah­ren aus­ge­las­sen Schlan­gen­li­nien auf der Straße. Prompt hält sie die Poli­zei an, was den bei­den äußerst unan­ge­nehm ist. Denn Veit trägt nur eine Unter­hose und Toms Hin­tern ist aus­schließ­lich mit einer zu locker sit­zen­den ame­ri­ka­ni­schen Flagge bedeckt. So ler­nen sie auch noch den ame­ri­ka­ni­schen Knast von innen kennen.

Bild: friendship-derfilm.de

Tags dar­auf tref­fen sie in einer „rie­si­gen Kauf­halle“ auf die deutsch spre­chende Zoey (Ali­cja Bachleda-Curus). Die bei­den Ossis ver­lie­ben sich - na klar - in die hüb­sche Ame­ri­ka­ne­rin, und es kommt zu ihrem ers­ten gro­ßen Streit. Doch auch der dickste Streit kann die bes­ten Freunde nicht tren­nen, und so ver­söh­nen sich Tom und Veit kurz dar­auf in San Fran­cisco – mit einem über­ra­schen­den Ende.

Die deut­sche Pro­duk­tion merkt man „Fri­endship!“ deut­lich an: Ein Road Trip, der ohne die typi­schen Hollywood-Allüren aus­kommt, ohne Gla­mour und Gewalt, und das tut dem Film sicht­lich gut. Die Dia­loge sind authen­tisch, die Hand­lung kurz­wei­lig und die Schau­spie­ler über­zeu­gend. Zwar bedient sich die Komö­die von Regis­seur Mar­kus Gol­ler ab und an ein paar Kli­schees, doch die wir­ken stets pas­send und kei­nes­falls aufgesetzt.

Höhe­punkt des Films ist ein aus­gie­bi­ger Strip der ost­deut­schen Jungs in Russen-Uniform in einer Schwulen-Discothek, der herz­hafte Lacher garan­tiert. Über­haupt gelingt es dem Film mehr­mals zu über­ra­schen; sel­ten weiß man, was als nächs­tes pas­siert. „Fri­endship!“ schafft es auf eine krea­tive Weise die auf wah­rer Bege­ben­heit basie­rende Geschichte zweier Freunde darzustellen.

Die bei­den Haupt­dar­stel­ler Mat­thias Schweig­hö­fer und Fried­rich Mücke über­zeu­gen mit ihrer sym­pa­thi­schen Art, wäh­rend Ali­cja Bachleda-Curu? als weib­li­che Haupt­fi­gur die nötige Abwechs­lung mit sich bringt. Viele Sze­nen kom­men ohne auf­wen­dige Hin­ter­grund­ku­lis­sen aus, was dem Film kei­nen Abbruch tut. Statt­des­sen spre­chen oft­mals die beein­dru­cken­den Land­schafts­auf­nah­men für sich. Die­ser Film macht Lust auf die USA und zeigt auf unter­halt­same und tief­ge­hende Weise, wie toll und wert­voll Freund­schaft sein kann. Fri­endship! ist voll aus dem Leben und zugleich erfri­schend anders.

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Kommentare

2 Antworten zu “Deutscher Road Trip „Friendship!“: Zwei Ossis in Amerika.”
  1. Basti sagt:

    „Eine Geschichte von 2 Ost­deut­schen, die nach der Wende einen Trip durch die USA machen. Erfri­schen­des Road-Movie, bei dem die teils zwar alten Gags durch ost­deut­sches Flair doch wie­der frisch wir­ken. Hat mir spass gemacht, das ganze.“ um einen mei­ner Bei­träge auf serenity-revolt zu Zitieren ^^

  2. JUICEDaniel sagt:

    Setz doch noch den Link dazu (du darfst das natür­lich als JUICEDblog-Redakteur): http://blog.serenity-revolt.de/?p=254 :)

    13 Semes­ter habe ich übri­gens auch gese­hen (schon im Novem­ber in der TU Darm­stadt ;) ) und finde den Film ähn­lich toll. Deut­sche Filme im Auf­wind, yeah!

    Zu dei­nem Zitat „Ich bin nun lei­der kein Stu­dent, aber der Film wirkte für mich rela­tiv authen­tisch, wobei ich mir von ein paar ech­ten Stu­den­ten habe sagen las­sen, dass es seit Bache­lor und Mas­ter nicht mehr wirk­lch passt.“:

    Der Film IST nach wie vor authen­tisch, wobei Bache­lor mehr Schule als Stu­dium gewor­den ist (in vie­len Tei­len) und daher nicht mehr so ganz zu 13 Semes­ter passt. Aber das ist ein Pro­blem von Bache­lor, der typ­ti­sche Stu­dent gerät in Gefahr, aus­zu­ster­ben. (Hetze, mög­lichst schnell durch­zu­kom­men… kein Leben mehr, kein Frei­raum, keine Freizeit.)

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