Emetophobie: Hungern gegen die Angst

Sie fürchten sich so sehr vor dem Erbrechen, dass sie vorsichtshalber nichts oder nur sehr wenig essen. Drei bis sieben Prozent der Deutschen haben nach Expertenschätzung Emetophobie. Woher kommt die Angst, wie sieht die Therapie aus und warum wird die Krankheit selbst von Ärzten selten erkannt?

Anja* muss Majonäse essen: 250 Milliliter – pur. Sie nimmt den Suppenlöffel und taucht ihn in das Glas. Ihre Hände zittern, die Augen sind feucht. „Wie schmeckt der Salmonellen-Joghurt?“, fragt die Therapeutin. Anja kämpft gegen die aufsteigende Panik. Sie hat Emetophobie – Angst vor dem Erbrechen. „Ich hungere lieber, als ein Risiko einzugehen“, sagt sie. Lebensmittel hat Anja in „gut“ und „böse“ eingeteilt. Majonäse ist böse, weil sie leicht verderben und zu Übelkeit führen könnte. Deshalb hat Anja sie von ihrem Speiseplan gestrichen. In der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster lernen Patienten wie die 23-jährige Anja ihre Angst zu überwinden. Expositionstherapie heißt das Konzept. Manche sagen dazu auch „Konfrontationstherapie“, weil man sich bewusst mit seinen Ängsten auseinander setzen muss.

Emetophobie ist eine weitgehend unbekannte psychische Erkrankung. Experten vermuten, dass drei Prozent der Männer und sechs bis sieben Prozent der Frauen in Deutschland betroffen sind – das sind mehr als vier Millionen Menschen –, die Krankheit allerdings bei den wenigsten erkannt wird. Da viele Emetophobiker an Untergewicht leiden, den wahren Grund ihres Essverhaltens aber aus Scham und Angst verschweigen, diagnostizieren Ärzte oft fälschlicherweise Magersucht. Dabei leiden viele Erkrankte unter ihrem niedrigen Gewicht und den damit verbunden körperlichen Einschränkungen. Trotzdem essen sie kaum, kontrollieren zwanghaft die Zutaten von Fertiggerichten und das Haltbarkeitsdatum der Produkte.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum der Majonäse kann Anja nicht überprüfen. Die Therapeutin hat es geschwärzt, denn Anja soll ihre Angst aushalten. „Emetophobiker lernen in der Therapie, sich genau damit zu konfrontieren, wovor sie sich am meisten fürchten“, erklärt Birgit Mauler, Diplom-Psychologin und Verhaltenstherapeutin an der Christoph-Dornier-Klinik. „Erst wenn sie merken, dass sie die Situation unbeschadet überstehen, bauen sie die Angst nach und nach ab.“ Und wenn doch etwas passiert? „Selbst wenn sich der Patient wirklich übergeben müsste, was im Rahmen der Expositionstherapie jedoch in der Regel nicht auftritt, würde er angstfreier aus der Situation hervorgehen“, sagt die Psychologin. Er stelle fest, dass es nicht so schlimm sei, wie er geglaubt habe. „Viele Patienten können nicht benennen, was sie konkret befürchten. Im Extremfall fürchten sie sterben zu müssen, wenn sie sich übergeben“, führt Mauler aus. Sie hätten Angst zu ersticken oder einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden. Andere befürchten den Ekel nicht aushalten zu können. Das sei rational nicht erklärbar. Manchmal wünsche sich der Patient gegen Ende der Therapie das Durchführen des Erbrechens unter therapeutischer Begleitung. „Er macht dann die Erfahrung, dass auch in dieser Extremsituation seine Befürchtungen nicht eintreten und gewinnt Sicherheit für zukünftige ‚Hochrisikosituationen‘ wie zum Beispiel einer Schwangerschaft oder einem Magen-Darm-Infekt.“

Anja weiß genau, wann sie sich zuletzt übergeben hat. „Es war der fünfte Oktober 2006. Davor hatte ich 13 Jahre nicht gebrochen.“ Dieses Erlebnis habe an ihrer Angst nichts verändert – im Gegenteil: Mit der Zeit sei diese immer schlimmer geworden. Anja erzählt, wie sie begann öffentliche Orte und andere Personen zu meiden. Sie fürchtete sich davor, mit einer Mageninfektion angesteckt zu werden und bekam Angst, jemandem beim Erbrechen zusehen zu müssen. Partys, bei denen Alkohol getrunken wurde, mied sie – öffentliche Verkehrsmittel ebenso. Ihre Gedankenwelt kreiste nur noch ums Erbrechen. Allein die Wörter „brechen“, „kotzen“ oder „schlecht“ machten ihr Angst. Sie konnte es nicht ertragen, wenn jemand von einem „Eimer“ sprach oder von dem Wort „Kübel“, das sie an „übel“ erinnerte. Selbst herbstliche Laubhaufen am Straßenrand assoziierte sie mit Erbrochenem. Irgendwann konnte sie ihre Wohnung kaum noch verlassen. Sie begann, mehrmals am Tag verschiedene Antibrechmittel zu schlucken, von MCP-Tropfen wurde sie abhängig.

Wie kann es passieren, dass jemand vor dem Erbrechen eine derartige Angst entwickelt? Verhaltenstherapeutin Birgit Mauler erklärt, dass die Krankheit ihre Wurzeln oft in der Kindheit hat. Damals seien unangenehme Erfahrungen mit dem Erbrechen übertrieben bewertet worden. Diese Schlüsselerlebnisse ließen die Angst aufkommen. Wenn man Anja fragt, wie die Krankheit begonnen hat, erzählt sie manchmal ihre Geschichte auch wenn es ihr schwer fällt: Sie war drei Jahre alt, fuhr mit den Eltern zu einer Geburtstagsfeier, hatte im Auto das Geschenk auf dem Schoß, musste sich übergeben, schämte sich. Eine vermeintlich harmlose Situation. Doch bei Anja begann damals eine Kettenreaktion, die Psychologen Operante Konditionierung nennen: Der Patient hat Angst, flüchtet vor dieser Angst, indem er belastenden Situationen ausweicht, baut damit die Angst kurzfristig ab, verstärkt aber langfristig das Vermeidungsverhalten und gibt so der Phobie Raum sich zu entwickeln.

„Ich bin Meister meines Körpers“, sagt Anja. „Ich höre jedes Magengrummeln und bekomme Panik. Habe ich jetzt nur Hunger oder werde ich diesmal wirklich krank?“ Wenn sie etwas gegessen habe, frage sie sich: War das jetzt nicht doch zuviel? Vertrage ich das? Hält mein Magen das aus? Bei Kopfschmerzen denke sie: Bekomme ich Migräne und muss mich dann übergeben? Jede kleine Übelkeit sieht Anja nach eigenen Angaben als Krankheit, der man nicht entfliehen kann: „Für mich bin ich jeden Tag eine tickende Zeitbombe.“ Anja vermeidet Krankenhäuser, Kindergärten, Antibiotika wegen der Nebenwirkungen, Sonne wegen der Angst vor einem Sonnenstich, Restaurantbesuche, weil sie nicht prüfen kann, wie das Essen zubereitet wird, Volksfeste und Diskotheken. Sie sagt: „Ich würde lieber sterben, als zu erbrechen.“

Kommentare

  1. Mone meint

    Hallo,
    ich bin auch betroffen. Seit ich 13 Jahre bin, habe ich es mit dieser Art von Angst zu tun. Mit 13 Jahren habe ich damals das letztemal gebrochen. Nun bin ich 41 J. und habe es irgendwie hinbekommen so viele Jahre ohne brechen zu überstehen. Am meisten stolz bin ich auf mich, weil ich einen 11 Jahre alten Sohn habe. Alle die das gleiche Problem haben wie ich, wissen was ich damit aussagen will.

    Jeden Tag schwirrt mir das in meinem Kopf rum: Heute könnte der Tag der Tage sein, an dem es vielleicht passieren könnte ( mal mehr mal weniger ).
    Aber es geht ja immer irgendwie weiter und ich hoffe das es eines Tages einen Weg geben wird für alle betroffenen. Das Internet wir auch sein Beitrag dazu geben…, sowie ich heut diesen Beitrag gelesen habe und viele andere es auch tun, wird es immer mehr zum Thema.

    LG
    Mone :-)

  2. Julia meint

    Hallo Mone,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft. Du kannst sehr stolz auf dich sein. Ich hoffe, dass deine Angst jeden Tag kleiner wird und du dein Leben weiterhin so toll meistern kannst.
    Liebe Grüße
    Julia

  3. Schniel meint

    Ich bin 15 Jahre alt und Ich glaube, dass ich auch emetophobie habe. Ich gehe nur mit anti-brechmittel aus dem Haus, nehme manchmal eine tüte mit, schaue in jedem Raum, den ich ich betrete nach einem Mülleimer, falls ich mich übergeben muss. Mir wir seit 2 Jahren jeden Abend kotzübel, ich bekomme Panikattacken, zittere am ganzen Körper und zerkratz mir meine Beine und meine Hals, damit der Schmerz die Übelkeit überdeckt. Ultraschall, Magen-Spiegelung, Blut abnehmen, CT.. Nichts kam dabei raus und ich weiß einfach nicht was ich noch tun soll, ich bin so verzweifelt. Bitte helft mir!

  4. Julia meint

    Hallo Schniel,
    es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht. Aber gebe nicht auf! Es gibt immer Hilfe. Suche dir einen Therapeuten und erzähle ihm alles. Er kann dir helfen. Das Mädchen in dem Artikel hat auch Hilfe bekommen und kommt jetzt viel besser mit ihrer Erkrankung klar. Lass den Kopf nicht so hängen. Ich weiß, dass ist leichter gesagt, als getan. Aber nur so kommst du da heraus.
    Liebe Grüße
    Julia

  5. enomis meint

    Hallo, auch ich habe seid Jahrzehnten Emo. Es ist jeden Tag ein Kampf. Aber das schlimmste habe ich geschafft. Ich habe zwei gesunde Kinder bekommen. Das war so die größte Angst. In der Schwangerschaft Übelkeit oder ERbrechen zu bekommen. Nein das war nicht. Übel war mir wohl schon mal. Aber da habe ich erstmal gewußt was Übelkeit und Übelkeit ist. Aber da habe ich was bekommen und alles war schön. Ich würde diesbezüglich gerne immer schwanger sein. Aber jetzt wenn die Kids größer werden und sagen ich abe Bauchweeh. Da gehen bei mir alle Alarmglocken hoch. Panik Magen Darm und so weiter. Ich nehme ein Angstlösendes Medikament ein. Das war am Anfang auch die Hölle. Steht ja als Nebenwirkung ja Übelkeit Erbrechen als Häufigkeit da drin. Na toll habe ich gedacht. Augen zu und durch. andere Möglichkeit hatte ich nicht mehr. Und habe es geschafft. Und ihr schafft es auch. Wenn es ganz schlimm ist, geht in eine Klinik oder zu einer Gesprächstherapie. Liebe Grüße enomis

  6. Tim Schilling meint

    Der Schrecken hat endlich einen Namen! Ich leide etwa seit ich 14 Jahre war, an Emetophobie. | Mit 14 habe ich ein Steak gegessen, welches nicht mehr so gut war. Von da an ging alles los. Ich lag drei Tage im Bett und hab gezittert, mein Herz hat geklopft wie sonstwas. Ich habe während der drei Tage auch keinen bisschen gegessen, bis mir schwarz vor Augen wurde. | Aus der Emetophobie hat sich dann eine Essstörung entwickelt und ich habe innerhalb von 2 Wochen, zehn Kilogramm runtergehungert. Alle meine Verwandten waren völlig schockiert & haben mich angesprochen. | Diese “extreme” Zeit hat zwei Jahre, also bis ich 16 war, angehalten. Danach schien alles überstanden zu sein. | Doch mit 19, als ich ein BFD-Jahr im Kindergarten machte, habe ich mich mit Magen-Darm angesteckt & es war der totale Horror. Seither (mittlerweile bin ich 20) habe ich 1 – 2 mal die Woche, manchmal auch öfters, meine kleinen ‘Anfälle’ womit ich aber mittlerweile mehr oder weniger weiß umzugehen. Ich habe MCP-Tropfen die das alles etwas abschwächen. Ich überlege momentan ob ich mich einer Therapie unterziehe.

    Bei mir bewirkt übrigens Ablenkung, Wunder! | Ich arbeite in einer Einzelhandelskette und die Arbeit lenkt mich wirklich super ab! Manchmal wirkt Ablenkung von Freunden gut, manchmal ist es hingegen wie Gift. Ich kann während meiner Anfälle .. keine Stimmen hören. Keiner von meiner Familie darf mit mir sprechen. Ich muss das dann immer irgendwie mit mir ausmachen.

    Aber ich bin froh, dass jemand diese Phobie, welche ja nun umso öfters auftritt (bei meinem kleinen cousin mit nur 7 Jahren schon) so gut umschreibt und thematisiert. Danke Julia :)

    Gute Besserung euch allen! Der Schlüssel ist unsere Dämonenzu bekämpfen, sondern mit Ihnen zu leben.

  7. Edith Holzer meint

    Ich habe die Emetophobie seit meine 7. Lebensjahr.
    Ich schreibe hier, weil ich die Phobie im Griff habe, und weil ich hoffe, helfen zu können. Dir und ganz allgemein. Ich habe mit meiner Phobie allein zurechtkommen müssen, weil mir niemand geholfen hat..
    Ich muß leider dieser Therapeutin wiedersprechen. Mayonnaise essen ist keine Konfrontationstherapie!!!

    Konfrontationstherapie wäre: erbrechen.

    Ich bin der Meinung, daß das aber durchaus nicht notwendig ist.

    Ich weiß, jetzt werden tausend Aufschreie kommen !!!

    Aber ich weiß, wovon ich rede. Ich konnte das Haus nicht mehr verlassen, wurde pensioniert und bin jetzt dabei mein Leben komplett umzukrempeln, trotz großer Belastungen, bin ich aus dem Emoteufelskreis ausgestiegen.
    Ich würde gern mehr darüber erzählen. Aber das sprengt hier den Rahmen.

  8. Steffi meint

    Hallo, liebe Leidensgenossen!
    Edith, ich würde gerne mehr von dir wissen, womöglich kannst du mir weiterhelfen mit Ratschlägen?!
    Bin 44 J. , seit meinem 13. Lebensjahr nicht mehr erbrochen; habe mittlerweile 4 Kinder mit vielen Krankheiten und als Emetophobikerin immer wieder diesbezgl. Herausforderungen. Möchte meine Angst nicht auf die Kinder übertragen und gerne mein Leben wieder mehr ohne diese Angst genießen können…
    Beginne gerade eine Therapie, möchte zu meinem 45. Geburtstag diese Angst in den Griff bekommen haben, wäre mein bestes Geschenk!! Alles Gute euch allen, würde mich freuen, von dir, Edith, zu hören! Steffi

  9. Svenja meint

    Liebe Edith,

    ich bin leider auch seit meiner Kindheit davon betroffen, hatte dieses Thema auch in meiner 1 Jährigen Therapie, die ich aufgrund von Panikattacken begann. Nach 10 Jahren des nicht-erbrechens habe ich mich im letzten Jahr zweimal übergeben. Ich habe durchaus gemerkt, dass es nicht so schlimm ist und man sich danach besser fühlt etc. Nur habe ich dennoch große Angst, vor allem in Bus und Bahn bzw. in der Öffentlichkeit und allgemein vor diesem Übelkeitsgefühl, welches ich auch so gut wie jeden Tag habe. Magst du mir berichten, wie du es geschafft hast? Ich würde mich wirklich sehr freuen! Liebe Grüße, Svenja

    Ich habe die Emetophobie seit meine 7. Lebensjahr.
    Ich schreibe hier, weil ich die Phobie im Griff habe, und weil ich hoffe, helfen zu können. Dir und ganz allgemein. Ich habe mit meiner Phobie allein zurechtkommen müssen, weil mir niemand geholfen hat..
    Ich muß leider dieser Therapeutin wiedersprechen. Mayonnaise essen ist keine Konfrontationstherapie!!!

    Konfrontationstherapie wäre: erbrechen.

    Ich bin der Meinung, daß das aber durchaus nicht notwendig ist.

    Ich weiß, jetzt werden tausend Aufschreie kommen !!!

    Aber ich weiß, wovon ich rede. Ich konnte das Haus nicht mehr verlassen, wurde pensioniert und bin jetzt dabei mein Leben komplett umzukrempeln, trotz großer Belastungen, bin ich aus dem Emoteufelskreis ausgestiegen.
    Ich würde gern mehr darüber erzählen. Aber das sprengt hier den Rahmen.

  10. Edith meint

    Liebe Steffi, liebe Svenja,

    ich habe leider in letzter Zeit sehr viel um die Ohren, sodaß ich kaum dazukomme zu antworten.

    Wenn ich sage, ich bin aus dem Emokreis ausgestiegen, bedeutet das nicht, daß ich frei von jeder Angst bin. Aber ich lasse mich von dieser Phobie nicht mehr aufhalten.
    So möchte ich zuerst feststellen, daß es sehr unterschiedlich ist, was man für sich als Erfolg verbucht.

    Steffi, du hast Kinder. Ich denke, du haßt die Phobie ganz gut im Griff. Wenn du eine Therapie machen willst, dann such, bis du einen Therapeuten/in gefunden hast, wo du dich wohlfühlst – einfach gut aufgehoben. Nur dann kannst du dich auf eine Therapie genug einlassen.
    Außerdem glaube ich, daß es wichtig ist, seine Angst vor den Familienangehörigen zu verheimlichen. Nur wenn die Kinder noch zu klein sind, kann man natürlich nichts erzählen.

    Für mich hat die Emetophobie sehr viel mit Erwachsenwerden und Erwachsensein zu tun. Ich habe ja geschrieben, daß ich das Haus kaum noch verlassen konnte. MIt öffentlichen Verkehrsmitteln konnte ich erst recht nicht fahren.
    Bei mir war es einfach so, mein Vater wurde plötzlich sehr krank. Es war niemand da, der ihm beistehen konnte außer mir. Also bin ich einfach in die Öffis eingestiegen. Für mich hätte ich es nicht geschafft für einen geliebten Menschen schon.

    Es ist einfach ganz wichtig eine echte Motivation zu finden. Kinder sind das auf jeden Fall.
    Svenja, du bist noch sehr jung. Denk daran, daß man sein Leben unbedingt in die Hand nehmen muß, die Zeiten sind nicht rosig.

    Vor allem wenn sich zur reinen Emetophobie noch eine Sozio-Emetophobie gesellt, steht und fällt auch alles mit einem guten Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein. Je mehr Selbstbewußtsein man sich erarbeitet hat, desto besser wird es einem gehen.

    Und dann habe ich noch zwei persönliche Mottos, die mir auf meinem Weg begegnet sind: mein Lieblingsautor ist Thomas Bernhard: er hatte eine scheußliche Kindheit und wurde von seiner Mutter vor allen bloßgestellt. Er hat in seinen autobiographieschen Büchern darüber erzählt.

    Als er von einem Reporter gefragt wurde, ob ihm denn das alles nicht peinlich sei, hat er mit verschmitztem Lächeln gesagt. “Mir is nix peinlich. Was soll mir peinlich sein?”
    Mein zweites Motto stammt aus einem russischen Märchen und lautet: Der Morgen ist klüger als der abend.

    Also immer Augen und Ohren auf, so ein Motto muß jeder für sich selbst finden.

    Es gäbe noch tausend Dinge zu sagen….

    Zum Schluß noch: H Ä N D E W E G V O N MCP- TROPFEN. Sie machen süchtig, und zwar nicht nur psychisch sondern psychisch. Sie lösen Depressionen aus und sind auch sonst nicht gerade ungefährlich.
    Irgendwann steht man dann vor dem Problem, sie absetzen zu müssen.
    Ich spreche aus eigener Erfahrung!!!

    Euch allen alles Gute

    Edith

  11. Beate meint

    Hallo

    Wir haben sehr aufmerksam eure Kommentare gelesen und alles was und wie ihr es beschreibt, kommt uns sehr bekannt vor. UnsereTochter ist mittlerweile 9 Jahre und klagt seit einem halben Jahr jeden Abend über diese Beschwerden..
    Sie schläft fast gar nicht mehr, kann den Anblick einer Toilette und jedes Eimers nicht ertragen. Mittlerweile kann sie nicht mehr in die Schule gehen, isst immer weniger und verlässt fast nicht mehr das Haus. Sie hat Panikattacken und die ständige Angst sich überall unzustecken. Ihre Gedanken kreisen permanent um das Erbrechen müssen. Die Ärzte wollen sie jetzt stationär einweisen und sie mit ihrer Angst konfrontieren.
    Was haltet ihr davon? Wir wären um jede Rückmeldung dankbar. Wir als Eltern fühlen uns so hilflos und allein gelassen. Wie können wir uns richtig verhalten? Was hat euch geholfen?

    Vielen Dank Beate & Mathias

  12. Julia meint

    Hallo Beate, hallo Mathias,
    es tut mir sehr leid, dass eure Tochter so leidet. Ich bin die Autorin des Beitrags und habe damals mit Anja gesprochen. Sie war stationär in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Dort musste sie Konfrontationstherapie machen. Darüber steht auf der zweiten Seite des Artikels noch etwas mehr. Sie musste essen, obwohl sie Angst hatte und musste sogar Dinge essen, die leicht verderben können oder von denen das Haltbarkeitsdatum schon abgelaufen war. Dies ist natürlich eine sehr schwere Therapie aber auch sehr wirkungsvoll. Das Problem ist nur, dass die meisten nicht durchhalten. Die Christoph-Dornier-Klinik ist leider eine Privatklinik, weshalb die Krankenkassen die Therapie oft nicht zahlen. Man kann sich aber einen Kostenvoranschlag geben lassen. Ich will hier aber keine Werbung für diese Klinik machen. Mit Sicherheit gibt es auch andere gute Einrichtungen. Wichtig ist die tägliche Konfrontation mit der Angst. Wenn man seine Ängste durchsteht, kann man sie loswerden. So sollte zum Beispiel jemand mit Höhenangst vom Zehnmeterbrett im Schwimmbad springen oder eine Ballonfahrt machen. Irgendwann geht die Angst dann weg aber es ist natürlich ein schwieriger Prozess bis dahin. Eure Tochter ist ja auch noch sehr jung, da muss man sich so etwas gut überlegen. Vielleicht ist eine ambulante Therapie da besser und vielleicht könnt ihr als Eltern ja auch mal mit in eine Tagesklinik gehen.
    Ich wünsche euch und eurer Tochter alles Gute!
    Viele Grüße
    Julia

  13. Clair meint

    Ich bin jetzt vierzehn und habe auch schon jahrelang Angst vorm Erbrechen, nebenher wurden bei mir auchnoch Depressionen diagnostiziert, ich war auch vier Monate in `ner Klinik, hat aber nicht allzuviel geholfen und war “nur” wegen der Depressionen. Kann mir irgendjemand sagen, wie ich da allein rauskommen kann? Meine Mutter will nicht, dass ich eine Therapie mache, weil sie mich nicht ernstnimmt. Ich nehm auch hin und wieder, wenn díe Übelkeit zu stark wird, Nux Vomica (sind Globulie), die dann auch oft gut helfen, aber ich will möglichst ohne Medikamente auskommen, zumal ich auch Antidepressiva bekomme. Also vo daher Gibt es irgendeinen Weg, da ohne Therapeuten bzw. ohne Klinikaufenthalt, da wieder rauszukommen?
    Gru?,
    eure Clair

  14. Edith Holzer meint

    Liebe Beate,

    deine Nachricht hat mich sehr betroffen gemacht. Es zerreißt mir fast das Herz wenn ich sehe wie ein kleines Mädchen leidet.

    Ich denke ihr habt einen fürchterlich schweren Weg vor euch, denn es gibt den “richtigen” Weg quasi nicht.
    Jeder findet seinen eigenen.
    Vielleicht könnt ihr noch Dinge finden, die eurer Tochter Spaß machen (könnten). Möglichst viele Dinge. Und diesen Dingen viel Raum geben. Das heißt, daß ihr nicht nur diese Dinge mit ihr macht, sondern über sie sprecht, von ihnen erzählt und gemeinsam mit eurer Tochter von ihnen träumt.

    Ich habe in letzter Zeit, etwas sehr schlimmes durchgemacht und habe wieder einen schweren Anfang vor mir. Das wichtigste ist, daß ihr eurer Tochter Tag für Tag klarmacht, indem ihr es ihr vor Augen führt, wie stark sie ist. Sie ist eine unheimlich kleine starke Person. Das muss sie verstehen lernen.
    Angst ist an und für sich nichts schlimmes. Aber das muß man einem einem kleinen Menschen erst einmal verständlich machen. Denn Angst ruft ganz schlimme körperliche Symptome hervor, die eine Qual für den ganzen Körper sind.

    Bitte laßt eure Tochter meine Botschaft nicht lesen. Aber bitte setzt euch unbedingt in Verbindung mit mir. Unbedingt. Ich bin ein Mensch, der nie die Hoffnung aufgibt. Das ist eine Eigenschaft, die ihr eurer Tochter beibringen müßt. Man muß niemals die Hoffnung aufgeben. Und ich schreibe bewußt man muß nicht. Und nicht man darf nicht.
    Wer nie die Hoffnung aufgibt, wird immer das Beste aus seinem Leben machen. Das beste aus dem Leben machen heißt, so oft wie möglich glücklich sein.

    Vielleicht hat eure Tochter einen Wunsch. Nach irgendetwas, was damit verbunden ist, daß sie die Angst besiegen lernt. Versucht den Wunsch größer werden zu lassen. Versucht das Hindernis vor ihren Augen schrumpfen zu lassen (nicht in Wirklichkeit – nur in ihrer Vorstellung).

    Liebe Beate, ich habe gerade wieder einmal eine schwere Zeit, gerade deshalb bitte ich dich dringend melde dich bitte. Ich möchte gerne deinem kleinen Mädchen weiterhelfen. Dein Mädchen wird auch wieder glücklich sein. Bitte melde Dich.

    Ich warte ganz dringend auf euch.

    Auch an alle anderen, bitte laßt das Thema nicht einschlafen, wir kämpfen hier einen gemeinsamen Kampf und wir werden gewinnen!!!!!

    Viel Stärke, Kraft und Selbstüberwindung

    Eure Edith

  15. Monique meint

    Hey Liebe mitleidenden,
    Auch ich habe seit meiner Kindheit mit dieser Störung zu kämpfen.Damals wusste ich allerdings nicht, dass es tatsächlich eine Krankheit ist.Ich hab gedacht ich spinne einfach und musste mich immer zusammenreissen,weil es mir peinlich war über diese Angst zu sprechen.Es klingt auch ziemlich banal angst zu erbrechen,weil es nun mal eine natürliche Schutzreaktion unseres Körpers ist.Auch kenne ich diese beklemmden Angstattacken, wenn ich unter Menschen bin und ich merke wie mir zunehemend schlechter wird und ich zum Beispiel in Büssen,Bahn oder so etwas nicht flüchten kann,wenn es dann mal soweit ist.Das Gefühl sich vor anderen jeden Moment übergeben zu können ist nahezu furchtbar.Und es wird durch die Angst und Panikattacken wie alles im Leben schlimmer.
    Meistens muss ich dann immer unkontrolliert viel schlucken um “es” ja im Magen zu behalten.
    Es ist wirklich eine schlimme Angsterkrangung,die man nicht unterschätzen darf.Auch habe ich mit 10 das Essen verweigert meistens gegen Abend,weil da die Angst am schlimmsten war.Natürlich nahm ich viel ab und merkte es nicht mal.
    Allerdings kann ich sagen,dass es besser werden kann.Bei mir ist es jedenfalls nicht mehr so schlimm,wie in meiner Kindheit und Jugend.Ich bin jetzt 21 und mir geht es besser.Heute schaffe ich es sogar mit Freunden essen zu gehen,klar hat man immernoch diese Angst,was ist wenn ich mich jetzt überfressen hab und ich mich mitten im Restaurant übergeben könnte und manchmal macht ein diesen Gedanken immer noch Übelkeit,aber Ablenkung ist dann das A und O.Es hilft wirklich.
    Wenn sich einer in so einen Anfall befindet und gleich zu Tropfen oder Tabletten greifen möchte,solltet ihr euch lieber Ablenken,mit Zimmer aufräumen oder wenn ihr Tiere habt,zu ihnen gehen.Das hilft mir immer.Meine Tiere (2 Kaninchen) beruhigen mich immer.
    Und wenn das nicht hilft,dann AUF ALLE FÄLLE frische Luft,wirkt wahre Wunder!:)

    ALso muss natürlich noch sagen,dass jeder Mensch anders ist und diese Krankheit auch anders verläuft bei jedem Einzelnen.Aber möchte Mut damit machen,dass es mir schon wesentlich besser geht und es nur noch besser werden kann. :)
    Ich bin sogar soweit,dass ich bald Eigentherapie vornehmen werden und es mit Absicht hervorrufen werden um diese Angst endlich komplett weg zukriegen.Es ist ja nichts schlimmes….

    LG Monique

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