Bloggen für Dummies (5): Soundslides (Special)

JUICED-Serie Bloggen für Dummies

Wieso Audio-Slideshows im Journalismus mehr Wertschätzung verdienen.

Soundslides ist ein Programm, mit dem man Fotos und Audio miteinander kombinieren kann. Heraus kommt am Ende eine Audio-Slideshow, die man ähnlich wie YouTube-Videos per embed-code direkt in die Artikel einbinden kann. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Auch ich habe bereits fünf Soundslides erstellt, drei weitere sind in naher Zukunft geplant. Drei meiner Soundslides könnt ihr auch auf JUICED in der Mediathek sehen. Leider ist es in der Praxis oft so, dass die meisten Journalisten Soundslides nicht sonderlich zu schätzen wissen. Das hat mehrere, teils nachvollziehbare Gründe:

  1. Es kann nicht schnell genug produziert werden (= inaktuell), weil es schlichtweg enorm zeitaufwendig ist. Denn eine komplette Soundslides besteht aus drei Stufen:
    • Fotos (Von Weitwinkel bis Tele, von Reihenaufnahme bis Panorama. Anschließend folgt das Aussortieren, Bearbeiten, Zuschneiden)
    • Audio (Musik, Atmo und O-Töne. Danach kommt Anhören & Aussortieren, Anordnen, Schneiden)
    • Anordnung der Fotos zur fertigen Audiospur: Das Feinjustieren der Fotos passend zur Audiospur kann mitunter am meisten Zeit in Anspruch nehmen, das wird böse unterschätzt.Der Ersteller muss also bereits vor dem ersten Fotos wissen, welche Fotos er voraussichtlich brauchen wird/haben will und anschließend erst die Audiospur fertig schneiden und spätestens dann exakt wissen, welche Fotos er an welcher Stelle in der späteren Audio-Slideshow platzieren will.
  2. Es steckt ein immens hoher Aufwand dahinter (= zu teuer) und gleichzeitig denken viele Journalisten, Fotos und Audio sei „weniger“ bzw. „weniger wert“ als Videos und zudem schneller zu erstellen – meistens ist aber das Gegenteil der Fall. „Nebenbei“ müssen zudem noch alle Bildrechte, sofern auch Fremdmaterial verwendet wird, abgeklärt sein und Nutzungsrechte für die Musik eingeholt werden.
  3. Eine fertige Soundslides ist durch die Ordner-Struktur nur schwer einzubinden (= zu unflexibel). Die Soundslides besteht nämlich im Gegensatz zu einem Video nicht aus einer einzigen Datei, sondern aus einem Ordner mit zahlreichen Dateien. Leider sind die meisten Content-Management-Systeme nicht in der Lage, komplette Ordner auf einmal hochzuladen. Daher muss meistens ein Techniker eingreifen, was u.U. nochmals einen weiteren Tag kosten kann.

Auch hier gilt:

Wenn wir aufwendige Inhalte produzieren, sollten wir sie auch deutlich herausstellen. Ansonsten merken die Leser möglicherweise gar nicht, was sie da verpassen.

Negativbeispiel: Meine zweite kommerzielle Soundslides ging leider komplett unter, weil sie in einem Artikel neben einem YouTube-Video eingebunden wurde und viele Leser vermutlich den Wert und Aufwand dieser Slideshow nicht zu schätzen wussten. Die Soundslides wurde lediglich als „Randelement“ verkauft und damit viel Potential verschenkt. Nach über 14 Stunden Arbeit am Stück ist das sehr enttäuschend und ineffektiv.

Daher sollte man die Punkte vorher mit den Redakteuren abklären, um festzustellen, ob sie den Wert und den Aufwand der Soundslides kennen und schätzen. Ansonsten kann man sich die Zeit und den damit verbundenen Frust getrost sparen.

Was haltet ihr von Soundslides? Hat diese Form überhaupt eine Chance? Und hat jemand von euch bereits Erfahrungen mit Soundslides gemacht?

Comments

  1. Andreas says

    Soundlsides sind überlfüssig. Ok, das hast du nun von mir auch erwartet.
    Schade dass du “meinen” Wikipedia-Beitrag zum Programm nicht verlinkt hast. Man merkt, von wem er ist, ist der Kritik-Part doch am längsten.

    Soundslides als Programm ist einfach zu unflexibel, und wie du richtig angemerkt hast, für die Social-Media Welt noch nicht richtig geschaffen. Das Endformat sollte ein Videoformat sein und ich glaube Qualitätsverlust ist ok. Youtube lief jahrelang erfolgreich ohne HD.

    Viele Soundslides liefern auch einfach keinen Mehrwert. Soundslide der Soundslide willen kann nicht klappen. Es liest im Journalismus auch keiner einen Text, weil es ein text ist. Der Inhalt muss stimmen!

    Ich empfehle, falls nicht bekannt, mal bei Mediastorm reinzuschauen. Audio-Slideshow ja, Soundslide nein. Dort wird sehr sehr (noch ein paar davon) gut umgesetzt, was Soundslide nicht kann: Der Wechsel zwischen Bewegtbild und Standbild…

  2. says

    Dass du Soundslides überflüssig findest, ist deine Meinung. Aber sie SIND es damit noch lange nicht. Ich sage dir auch gerne, warum: Aufgrund des Überangebot an billigen YouTube-Videos und hektischen, schnell geschnittenen Bewegtbildern a) sehnen sich manche Leute nach etwas Ruhigerem und b) etwas qualitativ Hochwertigerem für ihre Bilder/Fotos.

    Fotos kamen in Video-Slideshows noch nie so gut weg und ganz ehrlich: Jeder halbwegs passionierte Fotograf will keine Qualitätseinbußen, die trotz HD noch vorhanden sind, in Kauf nehmen. Fotos sollen schön und nicht verwaschen sein, sollen zur Geltung kommen. Soundslides ermöglicht genau das, weshalb ich es für berechtigt einstufe. Allerdings, und hier kommt die große Einschränkung, nur für einen Nischenmarkt (aus den von mir im Artikel genannten Gründen).

    Ich empfehle an dieser Stelle meine Soundslides zu Robert Enke: Das wäre in einem weiteren YouTube-Video bei Weitem nicht so eindrücklich rübergekommen, es gibt demnach auch im journalistischen Alltag Situationen und Themen, wo Soundslides sogar sinnvoller sind. Denn sie verdeutlichen Zusammenhänge und Inhalte auf eine ganz andere Art, wie es “klassische” YouTube-Videos nicht können. Auch mal ein Foto 5 Sekunden zeigen, damit Akzente setzen – das hält man bei einem Video nicht aus, würde den Geschwindigkeitsfluss sofort bremsen und den User vergraulen.

    Zu deinem Beispiel mediastorm: Die Leute dort liefern in der Tat super Arbeit ab, beeindruckend. Dennoch mögen nicht alle Leute die Mischform zwischen Fotos und Videos, die im journalistischen Alltag sogar noch schwieriger sind. Oder wer rennt schon alleine mit Videokamera, DSLR und Audio-Aufnahmegerät durch die Gegend? Und eine Canon EOS 7D & Co. hat eben auch nicht jeder – ist also oftmals eine Frage des Geldes und des Personals. Bei Freien also so gut wie unmöglich, so schön diese Mischform auch sein kann.

    Im Übrigen: Soundslides hat am 16. April die Beta 1.9.4 veröffentlicht, die eine Zeitleiste enthält. Die finale Version soll noch viele weitere neue Funktionen enthalten und damit wohl tatsächlich mal auf die vielen Kritikpunkte der eingeschränkten Oberfläche reagieren – lobenswert, aber hoffentlich nicht zu spät.

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