Eine Woche ohne Google? Unmöglich!

Gerade habe ich von der Aktion “Eine Woche ohne Google” gelesen. Bei dieser Aktion geht es schlicht darum, eine Woche lang keine Google-Dienste, insbesondere die Suchmaschine, zu benutzen – “um die Vielfalt der Suchmöglichkeiten im Internet besser kennenzulernen”. Eine nette Idee, könnte man meinen. Mich lässt sich jedoch erschrecken: Sind wir denn schon so weit gekommen, dass diese Aktion überhaupt notwendig geworden ist? Die Antwort lautet offensichtlich – und traurigerweise – ja. Persönlich kann ich darüber nur lachen… denn ich benutze schon seit über einem Jahr (fast) kein Google mehr – und lebe immer noch.

Anderseits ist es auch ein gequältes Lachen, weil mir bewusst ist, dass wir Google insbesondere dank Google Analytics kaum noch entkommen können und es somit fast unmöglich geworden ist, Google vollständig zu vermeiden. Denn hier ist der große Haken an der Aktion “Eine Woche ohne Google”: Nur auf die Suchmaschine Google oder dessen Dienste  zu verzichten, reicht ja gar nicht mehr aus. So dürfte man bei der Durchführung der Aktion im Prinzip konsequenterweise keine Seite mit Google Analytics besuchen (was aber die wenigsten wissen) oder YouTube-Videos auf anderen Seiten anschauen. Außerdem dürfte man keine Seite mit AdWords, Googles Text-Werbung, oder Doubleclick, Googles Banner-Werbung, besuchen. Nahezu unmöglich.

Auch ohne unwissentliche Spuren, die wir beim Surfen hinterlassen, gibt es bereits Menschen, die von Google ganz offensichtlich abhängig geworden sind:

Ich finde dies (Anm. d. Red.: die Aktion) sehr interessant, leider kann ich es als im Internetmarketing -tätiger nicht machen. Aber im privaten Bereich werde ich es durchaus mal testen, obwohl es dank Google Reader und Google Kalender wahrscheinlich für mich unmöglich ist.

Die Aktion selbst hat aber auch ihr Gutes. So hat Initiator Albrecht Ude eine umfangreiche Liste von Google-Alternativen zusammengestellt, die ich euch sehr ans Herz legen möchte – wirklich empfehlenswert! Dort findet ihr viele brauchbare Suchmaschinen wie Cuil, Wolfram Alphamageleo und Hulbee bis hin zu Metasuchmaschinen, Web-Katalogen, Bildersuchen und Sprachentools. Eine tolle und vor allem sinnvolle Linksammlung.

Ein Beispiel, wieso es auch für gewillte Nutzer nahezu unmöglich ist, Google im Web zu vermeiden: Schätzungsweise 83 Prozent der Top 300.000 Webseiten im Netz benutzen Google Analytics, vermutete Ontraxx.net. Darunter auch Wikipedia, Amazon, Spiegel, studiVZ, Facebook, Flickr, WordPress, Apple, Microsoft und Adobe. DoubleClick-Werbung kam und kommt bei Marken wie Microsoft, General Motors, Coca-Cola, MTV, Ford oder Nike zum Einsatz – bis hin zu den kleinen Webseiten. Wie will man da noch ernsthaft eine Woche ohne Google surfen? Dann kann ich ja gleich mein Internet ausschalten. Und übrigens mein Handy neuerdings gleich noch mit dazu:

Wie es aussieht, wird nach der Kartographisierung von oben (Google Maps) und den Fotosessions vom Boden aus (Street View) nun auch die umfassende Echtzeitüberwachung von ganzen Straßennetzen in Angriff genommen: Google Maps bekommt eine Art eigenes TMC-System.

Das schreibt Basic Thinking Blog unter Berufung auf einen offiziellen Google-Blogeintrag (der wiederum auf einen offiziellen offiziellen Blogeintrag zu diesem Thema verweist). Weiter schreibt Basic Thinking Blog:

Bislang wurden US-Nutzer ausschließlich über die Verkehrslage der großen Highways informiert, doch künftig sollen nach und nach auch die Umgehungswege – “arterielle Straßen”, wie Google sie nennt – ihre eigenen Status-Updates erhalten.

Ob das Grund zur Beunruhigung ist? Mitnichten, meint die große Mehrheit der Basic Thinking Blog-Leser:

Google-GPS-Daten-Umfrage

Comments

  1. says

    Na, kommt wahrscheinlich darauf an, aus welcher Perspektive man das ganze betrachtet:

    Als Web-User ist es vielleicht einfacher als ein Webseitenbetreiber. Der User kann mit Hilfe eines Ad-Blockers die Werbung ausblenden, Bing als etwas Microsoft-gewichtige Alternative zu Google nutzen und ist damit schon fast Google-frei.

    Bei mir als Webseitenbetreiber ist Google jedoch für einen Teil der Anzeigen zuständig, es gibt verschiedene Webtools, die der Administration der Seite helfen – und dann bin ich auch bei gmail.

    Mit dem Hintergrund ist es gar nicht so einfach, Google zu vermeiden. Die Idee finde ich klasse, schließlich sollten Menschen sich darüber im Klaren sein, was sie nutzen und was wäre, wenn es mal nicht mehr da ist. Aber das trifft auch auf andere große Communities zu: Was passiert, wenn Google sich mal entschließt, YouTube dichtzumachen? Letztenendes liegen solche Dinge in des Betreibers Hand – um so besser, solche Aktionen zu veranstalten.

  2. says

    Tobias: und ist damit schon fast Google-frei.

    Wie gesagt: Wäre da nicht Google Analytics und Google AdWords und Doubleclick – ja. Aber das betrifft doch genauso die normalen User, die “nur” surfen wollen. Daher kann ich dir da leider nicht zustimmen (selbst wenn man Ad-Blocker verwendet, bleibt Analytics – eine Seuche).

    Tobias: Bei mir als Web­sei­ten­be­trei­ber ist Google jedoch für einen Teil der Anzei­gen zustän­dig, es gibt ver­schie­dene Web­tools, die der Admi­nis­tra­tion der Seite hel­fen – und dann bin ich auch bei gmail.
    Mit dem Hin­ter­grund ist es gar nicht so ein­fach, Google zu ver­mei­den.

    Stimmt, aber hier bist du eigentlich selbst dran “schuld”. Niemand zwingt dich dazu, Google-Dienste zu nutzen. Du machst dich selbst freiwillig abhängig von Google-Diensten. Und dabei gibt es so viele (nahezu) gleichwertige Alternativen.

    Ich halte es für deutlich klüger, seine Daten bei vielen verschiedenen Anbietern zu streuen. Sicher, das ist unbequemer/unkomfortabler. Doch genau dieser Grund unterstreicht eigentlich nur eines: dass wir (zu) bequem sind.

    Tobias: Aber das trifft auch auf andere große Com­mu­nities zu: Was pas­siert, wenn Google sich mal ent­schließt, YouTube dicht­zu­ma­chen?

    Wo wäre da das Problem? Auch hier gibt es mehr als genug Alternativen. Manche, z.B. vimeo.com, sind sogar in vielerlei Hinsicht deutlich besser.

    In deinem Schlusssatz sagst du es jedenfalls nochmal sehr schön, wo die Gefahr bei alledem liegt:

    Tobias: Letz­te­nen­des lie­gen sol­che Dinge in des Betrei­bers Hand

    Ich würde dazu ergänzen: Umso besser, dass wir uns über unsere eigenen Möglichkeiten bewusst werden (die wir zweifelsohne NOCH haben) und uns nicht nur von EINEM Anbieter freiwillig abhängig machen.

  3. says

    interessante Aktion, sicherlich gut sich mal bewusst machen, warum man eigentlich nur jenes Produkt und nicht ein anderes nutzt. Einerseits kennen Leute vielleicht nicht die Alternativen, andererseites bietet Google einfach sehr gutes Tool an. Und das kann man nicht abstreichen. Warum nutzen immer noch fast 60% der Befölkerung IE und nicht die anderen Alternativen? http://gs.statcounter.com/#browser-ww-monthly-200808-200908
    Das trifft auch Social Network Facebook, das immer populärer weltweit wird. Es bietet einfach sehr gutes Service an, das kaum mit anderen Netzwerken zu vergleichen ist. Wie gesagt, warum wird ein Produkt sehr populär und das andere, das vielleicht nicht schlechter ist, kaum? Es ist sicherlich eine Mischung aus Brand, Marketingstrategie, Leistung usw…

  4. says

    Alexandra Davydova: Einer­seits ken­nen Leute viel­leicht nicht die Alter­na­ti­ven, ande­rer­sei­tes bie­tet Google ein­fach sehr gutes Tool an.

    Wie wahr, wie wahr. Einerseits sind die Leute oftmals zu bequem (weshalb sie die Alternativen nicht kennen) oder ignorant, andererseits hast du schon recht: Google bietet gute Tools an. (Sonst wären sie ja nie so populär geworden)

    Alexandra Davydova: Wie gesagt, warum wird ein Pro­dukt sehr popu­lär und das andere, das viel­leicht nicht schlech­ter ist, kaum? Es ist sicher­lich eine Mischung aus Brand, Mar­ke­ting­stra­te­gie, Leis­tung usw…

    Diese Frage stellen sich sicher viele… erinnert mich spontan an Opera: Deutlich besser als die meisten anderen Browsern (in meinen Augen der beste) und trotzdem seit Jahren(!) kein Wachstum. Dass IE noch über 60% hat, führe ich auf die überwiegende Mehrheit der Standard-Windows-User zurück, die sich einfach daran gewöhnt haben und nicht mehr wechseln. Hat meistens auch was mit dem fortgeschrittenen Alter zu tun (leider). [= erneut Bequemlichkeit]

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