Woodkid – The Golden Age: Orchestrale Wucht und Ohrenschmaus

Soundtracks zu den großen Hollywood-Krachern verkaufen sich ja immer wie warme Semmeln. Schließlich ist es die Musik, die Filme wie Herr der Ringe oder Fluch der Karibik so besonders macht. Mit seinem Album „The Golden Age“ veröffentlichte Woodkid kürzlich ebenfalls eine Art Soundtrack – jedoch ohne Film. Wer jetzt denkt, das kann nicht funktionieren, den kann ich eines besseren belehren: Die 14 Songs zeigen, wie eine solch orchestrale Musik funktioniert.

Woodkid - The Golden Age (Bild: Amazon.de)Die ersten Singles von Woodkid hatten ja schon so eine Art Sogwirkung. Die Musikwelt und die Radiostationen waren entzückt, weil da etwas Neues im Kommen war, was es so vorher noch gar nicht gab. Die Singles „Run Boy Run“ und „I Love You“ kamen sehr orchestral mit einem großen Arrangement daher, ergänzt durch eine Art Sprachgesang von Woodkid. Ich war sehr überrascht und wusste die Musik zunächst nicht einzuschätzen. Denn: Die Kompositionen waren sehr anspruchsvoll und ich war mir nicht im Klaren, ob das der breiten Masse gefallen würde.

Ursprünglich kommt Yoann Lemoine aka Woodkid aus der Branche der Musikvideos. Lady Gaga, Katy Perry und viele andere hatte Lemoine schon vor der Kamera – jetzt wollte der Franzose die Seite wechseln. Woodkid bekam meiner Meinung nach berechtigt – ich fand die beiden Vorabsingles, vor allem „I Love You“ sehr gut – ein unglaubliches Feedback; das Album wurde entsprechend heiß erwartet. Mir stellte sich nur die Frage: Kann eine solche Art der Musik auf einem ganzen Langspieler den Hörer fesseln?

Die Frage war schnell beantwortet. Ich legte die CD ein, hörte sie einmal durch und war wirklich begeistert. Es war aber nicht nur die Klasse der Komposition und die musikalische Umsetzung, was mich begeisterte, sondern vielmehr wie viel Herz in den Songs zu hören ist. „The Golden Age“ ist nicht wie eine von tausend anderen Platten, die nur komponiert und aufgenommen wurde, um möglichst viel Geld damit zu verdienen. Das Debütalbum von Woodkid ist seine persönliche Liebeserklärung an die Schönheit der Musik.

Jetzt klingt das natürlich so, als ob nur so ein Musik-Fanatiker wie ich an Woodkids Album Spaß haben könnte. Welcher Alltags-Musik-Konsument macht sich denn schon Gedanken über die Komposition und die Umsetzung? Aber keine Sorge: Das ist einfach nur meine tiefergehende Erklärung. Die oberflächige Variante würde eher so aussehen: „The Golden Age“ ist ein Stück schöne Musik. Egal ob vor dem Kamin, im Bus oder am Schreibtisch.

Meine erste Definition dieser Musik war ja, dass Woodkid eine Art Filmmusik liefert. Das hört sich im ersten Moment natürlich etwas seltsam an. Filmmusik ohne Film dazu? Das ist ja fast wie ein Stummfilm. Aber keine Sorge. Zum einen ist „The Golden Age“ kein Instrumental-Album – Lemoine singt auf jedem Song selbst – und zum anderen sind die Musikvideos beispielsweise zu „Run Boy Run“ und „I Love You“ eine Art Kurzfilm. In diesem Zusammenhang lohnt es sich absolut, die Videos einmal anzuschauen.

Genug geredet, kommen wir zu den Liedern an sich.  Das interessante an der Platte ist, dass Woodkid scheinbar vier verschiedene Ansätze hatte, an seine Lieder heranzugehen. Grundliegend ist – wie ja schon erwähnt – die instrumentale Vielfalt. Für die 14 Songs musste ein ganzes Orchester, ergänzt mit allen möglichen elektronischen Instrumenten, herhalten. Darüber hinaus gibt es aber verschieden Song-Arten – zumindest habe ich das so wahrgenommen. Plakativ dafür stehen die Lieder „I Love You“, „The Shore“, „The Great Escape“ und „Stabat Mater“.

Die Single „I Love You“ ist geprägt von einem treibenden Beat und einer leicht wiedererkennbaren Melodie. Das Lied geht ein wenig in Richtung der Gruppe „Hurts“, ist sehr einprägsam und daher auch stark im Radio vertreten. „The Shore“ ist ein extrem ruhiger Song, der auf dem Piano aufgebaut ist und bis auf der Stimme von Lemoine nur das Orchester hin und wieder zur Untermalung hinzukommt. Diese Art der berührenden Songs ist auf dem Album auch an weiteren Stellen zu finden. „The Great Escape“ spiegelt auf dem Langspieler die Pop-Vorliebe von Woodkid wieder. Irgendwie erinnert mich der Song an Mika (falls ihr den noch kennt), in seiner Struktur ist der Song natürlich viel größer. Marsch-Schlagzeug, Glockengeläuter, extrem viel Rhythmus – die mitreißende Seite des Albums. Und „Stabat Mater“ steht als Song für die schon angesprochene Filmmusik-Stimmung. Wenn ich das Lied höre, stelle ich mir vor, wie Frodo und seine Gefährten in „Der Herr der Ringe“ gerade die Minen Morias betreten. Ganz große Klasse!

Insgesamt ist „The Golden Age“ als ein Gesamtwerk zu betrachten; die 14 Songs geben ein Großes und Ganzes ab.  Gepaart mit den großartigen Videos, die Woodkid selbst zu seinen Liedern dreht, ist das Projekt Woodkid eine große Bereicherung der Musik- und Kulturszene. Dass es den Leuten gefällt, zeigt der Charteinstieg auf Nummer acht an. Ich bin jetzt auf jeden Fall gespannt, ob sich diese Art der Musik auch live so gut umsetzen lässt, wie auf der Scheibe. Was meint ihr?

JUICED Musikbewertung: ★★★★★★★★★★ 

Woodkid – I Love You

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Comments

  1. says

    Wieder einmal: Herzlichen Dank für den Hinweis! Absolut beeindruckend. Die Musik ist wirklich großer Filmepen würdig, allerdings muss ich sagen, dass sie mit den Videos zusammen noch stärker ist.
    Super!

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