Tim Neuhaus & The Cabinet – Now: 80er Synthie-Pop und Hagener Gold-Kehlchen

Sanfte Gitarrenklänge, untermalt mit Percussions und Keyboards. Dazu kommt die zarte Stimme von Tim Neuhaus. Musik, die einfach schön anzuhören ist, präsentieren „Tim Neuhaus & The Cabinet“ auch auf ihrem zweiten Album „Now“, das Mitte Februar veröffentlicht wurde. Schon das erste Album „The Cabinet“ ging durch die Ohren direkt ins Herz, die zweite Platte setzt nun genau dort an, wo das Erstlingswerk aufgehört hatte.

Tim Neuhaus & The Cabinet – Now (Bild: Amazon)Ich kann mich noch genau an meine erste Begegnung mit Tim Neuhaus und seinem Cabinet erinnern. Vor etwa drei Jahren war ich mit zwei Freunden in Hamburg und da wir für den Abend noch nichts geplant hatten, entschieden wir uns, ein Konzert zu besuchen. Auf dem Programm stand die Veröffentlichung der ersten EP (einem Mini-Album von sechs Songs) „A Spring Oddyssey“ von Tim Neuhaus in einem kleinen Club.  Wir zögerten nicht lange. Nichts wie hin.

Was sich letztlich ergab, war ein Abend, der bis heute noch in Erinnerung geblieben ist. Mit Thees Uhlmann, Sänger von Tomte, und Marcus Wiebusch, Sänger von Kettcar,  waren zwei der Geschäftsführer des Labels „Grand Hotel van Cleef“ von Tim Neuhaus vor Ort – das unterstrich die Wichtigkeit dieses neuen Acts auf dem Label. Mit seiner Band spielte Neuhaus ein wundervolles Konzert, das absolut unter die Haut ging und im kleinen Club absolut überzeugen konnte.

Ein Jahr später veröffentlichten „Tim Neuhaus & The Cabinet“ dann den ersten Langspieler und dieser bestätigte vollauf den Eindruck, den ich zuvor sammelte. Ich war nun also gespannt, ob auch das neue, zweite Album mit dem schlichten Titel „Now“ so überzeugen kann. Und nach mehrfachem Durchhören muss ich sagen: Ja, kann es!

Dabei war ich zunächst einmal etwas erschrocken. Denn schon im ersten Song deutet sich an, in welche Richtung sich die Musik des gebürtigen Hageners entwickelt hat. Der typische Neuhaus-Klang wurde auf der zweiten Platte mit ungewohnt vielen elektronischen Klängen ergänzt, was aber in keinem Fall negativ aufzufassen ist. Viele Bands sind daran gescheitert, sich immer mehr in die Sparte der elektronischen Musik zu entwickeln. Neuhaus setzt die elektronischen Elemente mit seiner Band aber genau so ein, dass die Musik gut ergänzt wird – sich im Kern aber kaum verändert.

Mehrstimmiger Gesang, Akustik-Gitarren, sanftes Schlagzeug. All das steht nach wie vor für die Musik von Tim Neuhaus & The Cabinet. Nur sind dieses Mal poppige Achtziger-Keyboard-Sounds mit am Start, die die Gitarre ein ums andere Mal verdrängen. Dennoch haben die Songs eine geordnete Struktur, als Hörer merkt man sofort: Hier steckt sehr viel Herzblut und Liebe zur Musik drin. Ohnehin sind Neuhaus und seine drei Mitstreiter extrem filigrane Musiker, was zusätzlich dafür sorgt, dass die 13 Lieder absolut hörenswert sind.

Symbolisch für den neuen Sound stehen unter anderem „Can’t Take the Silence“, mit einer Synthieorgel (elektronische Orgel) und einem funkigen Basslauf, oder „Around“, das jegliche Gitarren verbannt, aber dennoch ein wundervoll berührender Song ist.  Nichtsdestotrotz finden sich aber auch gewohnte Neuhaus-Songs wie „Wonderful Turn“ oder „End, Then You Ring“ auf dem neuesten Album wieder.  Generell fällt es aber schwer einen Vergleich zu anderen Bands herzustellen, denn das was Tim Neuhaus und seine Band abliefern ist – gerade in Deutschland – einzigartig.

Die Lieder und der Gesang von Tim Neuhaus sind einfach schön anzuhören. Egal ob im Auto, im Zug, zu Hause auf der Couch oder als Hintergrundmusik – die 50 Minuten auf  dem Album „Now“ passen fast zu jedem Anlass und sind rundum gelungen. Damit schwimmt Neuhaus zwar nicht mit dem Strom der restlichen Pop-Künstler in Deutschland, aber gerade das tut der Musik sehr gut. Hut ab, Herr Neuhaus, ich hoffe, dass ich ähnliche Worte über das nächste, dritte Album schreiben kann.

JUICED Musikbewertung: ★★★★★★★★☆☆ 

Tim Neuhaus – Now

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