Darwin Deez – Songs for Imaginative People: Runter von der Tanzfläche

Stirnband, Locken und Zigarette im Mundwickel. Darwin Deez’ Erscheinungsbild ist all das, was einen Hipster ausmacht. Und sein Debütalbum „Darwin Deez“ kam mit seinem hippen Sound und den vielen tanzbaren Riffs großartig an. In den letzten Jahren gab es auf den Tanzflächen kaum ein Vorbeikommen am Mega-Hit „Radar Detector“, welcher der New Yorker Band den absoluten Durchbruch bescherte. Mit „Songs for Imaginative People“ legen Frontmann Darwin Deez und seine Band nun das Follow Up-Album vor. Und leider ist es das so oft erwähnte zweite, schwierige Album. Tanzbare Deez-Songs waren gestern.

Darwin Deez – Songs for Imaginative People (Bild: Amazon)Es ist ja immer so eine Sache mit gehypten Bands und der anschließenden Erwartungshaltung. Immer wieder schaffen es talentierte Musiker einen Plattenvertrag zu ergattern, sich über Liveshows einen Namen zu machen und dann ein absolutes Brett an Debütalbum zu veröffentlichen. Hit um Hit wird im Radio und auf der Tanzfläche gespielt und die Konzerte sind ausverkauft oder werden in die nächste größere Halle verlegt. Das ist es schließlich auch, wovon alle jungen Bands träumen.

Mit einer einzigen Platte und nur elf oder zwölf Songs geben sich die neu ergatterten Fans selbstverständlich nicht lange zufrieden. Lieber heute als morgen soll neues Material veröffentlicht werden, das dann natürlich mindestens genauso gut sein soll. Ein Druck, der nicht leicht zu bewältigen ist. Das zweite Album aufzunehmen ist automatisch schwieriger, weil sich viele Künstler viel mehr Gedanken machen als noch vor der ersten Veröffentlichung. Schließlich soll es ja jedem recht gemacht werden.

Ähnlich war das bei Darwin Deez. 2010 kam das erste Album, gespickt mit Hits und von jetzt auf gleich war die New Yorker Band ein großer Stern am Indie-Himmel und in den Charts. Jetzt, drei Jahre später, folgte das zweite Album und das Fazit lautet leider: Darwin Deez hat zu viel nachgedacht.

„Songs for Imaginative People“ plätschert über zehn Songs so vor sich her. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Die Musik ist schön anzuhören und gerade die Gitarrenriffs sind mehr als Durchschnitt. Aber insgesamt fehlt der rote Faden. Zu kompliziert, zu durcheinander und ohne einer genauen Linie sind hier zehn Songs auf ein Album gepackt worden, das mit Sicherheit so viel besser hätte sein können. Es fehlen die tanzbaren Rhythmen und Riffs, die das erste Album noch zum Newcomer schlechthin gemacht hatten.

So spielen sich Frontmann Deez und seine vier Mitmusiker durch knapp 40 Minuten ohne Hit oder richtigem Höhepunkt. Alle Songs sind nicht schlecht und zum nebenbei hören absolut gut. Ein besonderes Argument, die Platte in einer Jahres-Top-10-Liste wiederzufinden, gibt es leider nicht. Das fällt schon beim ersten Song „Human“ auf. Die Songstruktur ist durcheinander und so wirkt das Lied sehr unruhig und unrund.

In den folgenden Liedern versucht sich Deez in einer Mischung aus elektronischen Aspekten, rhythmische Gitarren und Bassläufen, die mal mehr und mal weniger überzeugen. „Moonlit“ und die Single „Free“ hätten es vermutlich noch am ehesten auf die erste Platte geschafft, der Rest kann getrost nach dem Hören wieder vergessen werden.

Die Präsenz auf den Tanzflächen der Clubs hat Darwin Deez erst einmal verloren. Aber die Ansätze machen dennoch Hoffnung darauf, dass das nächste Album wieder ein Volltreffer werden kann. Meiner Meinung nach würde den New Yorkern ein Produzent gut zu Gesicht stehen. Denn wie schon die erste Scheibe wurde „Music for Imaginative People“ in kompletter Eigenregie aufgenommen. Impulse von außenstehenden Personen tun in so einem Moment mit Sicherheit sehr gut.

JUICED Musikbewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆ 

Darwin Deez – Free (The Editorial Me)

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