Zero Dark Thirty: Die Jagd auf Osama Bin Laden

Zero Dark Thirty - Die Jagd auf Osama Bin Laden (Bild: Universal)
Ein Film über die Jagd auf den Terroristenführer Osama Bin Laden? Klingt nach einem weiteren völlig überzogenen Loblied auf das einst mächtigste Land der Erde. Doch statt Ruhm, Ehre und strahlenden Sternenbannern gibt es in Zero Dark Thirty vor allem die dreckige Seite des Krieges gegen den Terror zu sehen. Das Ergebnis ist ein erschreckender, düsterer, aber ungemein spannender Blick hinter die Kulissen.

Einige Jahre sind seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 vergangen und noch immer fischt der CIA im Trüben, was die Suche nach Bin Laden angeht. Die junge CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain) wird nach Afghanistan versetzt und soll dort die Ermittlungen übernehmen. In mühsamer Kleinarbeit, mit viel analytischem Geschick und dank der Überredungskünste von Mayas (Folter-)Kollegen entdecken die Ermittler schließlich das Haus, in dem sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Bin Laden versteckt hat. Die CIA geht volles Risiko, schickt in einer Nacht- und Nebel-Aktion ein paar Navy Seals vorbei und wird belohnt.

Zero Dark Thirty - Die Jagd auf Osama Bin Laden (Bild: Universal)Zero Dark Thirty beginnt mit einer schwarzen Leinwand, während aus dem Off minutenlang Originalaufnahmen von 9/11 zu hören sind. Notrufe, die bei der Polizei eingehen. Mailboxaufnahmen von Menschen, die in einem der Türme festsitzen und sich für immer von ihren Angehörigen verabschieden. Das ist derart beklemmend, dass man als Zuschauer für einen kurzen Moment die Wut und die Verzweiflung erahnen kann, die die USA damals mit einem Schlag in einen blinden Fanatismus getrieben haben.

CIA-Agentin Maya ist die Person, die diesen Fanatismus verkörpert. Eine junge Frau ohne Freunde, spröde und unnahbar, die nur von einem Gedanken getrieben wird: Bin Laden zu fassen und Rache zu üben. Dabei merkt sie relativ flott, dass a) der Kerl recht schwierig zu finden ist und b) Skrupel oder Moral bei der Suche nach ihm eher hinderlich sind. Jessica Chastain ist großartig als Maya und zu Recht für den Oscar der besten Hauptdarstellerin nominiert – sonderlich sympathisch ist sie allerdings nicht – wäre wohl ebenfalls hinderlich gewesen.

Zero Dark Thirty - Die Jagd auf Osama Bin Laden (Bild: Universal)Wer einen Actionfilm erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht bzw. muss sich rund zwei Stunden gedulden. Im Fokus steht zunächst die langwierige Ermittlungsarbeit. Das klingt staubtrocken, hält den Zuschauer in Wirklichkeit aber ständig unter Strom. Besonders da die Büro-Szenen in einem hochspannenden Kontrast zu den Folter-Szenen stehen. Waterboarding, Schlafentzug, sexuelle Erniedrigungen: Was für die meisten Zuschauer bisher nur abstrakte Begriffe aus den Nachrichten waren, ersetzt Regisseurin Bigelow durch explizite Bilder. Dazu kommen Dialogzeilen zwischen Maya und ihrem Kollegen vor einem der „Verhöre“ wie: „Wird er hier je wieder raus kommen?“ „Nein, sicher nicht.“ Bedenkt man den realen Hintergrund, werden hier sogar hart gesottene Gemüter ein flaues Gefühl im Magen verspüren.

In den USA ist Zero Dark Thirty äußerst kontrovers diskutiert worden. Kritiker werfen Bigelow vor, dass der Film den Eindruck erwecke, die USA hätten Bin Laden ohne den Einsatz von Folter nie ergriffen – die US-Regierung hatte das stets dementiert. Bigelow, die sich im Vorfeld der Dreharbeiten intensiv mit (ehemaligen) CIA-Agenten unterhalten hatte, konterte: „Ich wünsche mir, dass Folter kein Teil dieser Geschichte wäre. Aber das ist sie.“ Als neutraler Zuschauer ist man geneigt, eher ihr Glauben zu schenken als den offiziellen Aussagen der Behörden, die weiterhin auf ihre legale Ermittlungsarbeit schwören.

Zero Dark Thirty - Die Jagd auf Osama Bin Laden (Bild: Universal)Fazit: Zero Dark Thirty ist großartig geworden. Mehr Real-Doku als klassischer Hollywoodfilm, mehr Anspruch als stumpfe Berieselung, deshalb spielt auch die Erwartung, mit der man sich diesen Film ansieht, eine große Rolle. Selten war ich im Kino fast drei Stunden lang derart gefesselt – und das wo mir ja bereits klar war, dass Bin Laden nicht weg läuft. Höhepunkt ist die nächtliche Erstürmung des Anwesens in Abbottabad um 0.30 Uhr (daher der Titel Zero Dark Thirty), die wirklich perfekt inszeniert ist. Lediglich der Absturz des Stealth-Helikopters ist unfreiwillig komisch, aber wenn es nun mal so war… Und wenn Maya in der allerletzten Szene alleine im Flugzeug gen Heimat sitzt und anfängt zu weinen, dann hat der Film nichts heldenhaftes oder pathetisches. Dann zeigt das nur, dass sich eine ganze Nation fast zehn Jahre lang mit der Jagd auf einen einzelnen Mann beschäftigt hat und dessen Tod bei weitem nicht die erhoffte Befriedigung verschafft.

JUICED-Filmbewertung: ★★★★★★★★★☆ 

Zero Dark Thirty-Trailer

Weiterführende Links

Bilder: Warner Brothers

Comments

  1. Amir says

    Äh, der Film heißt Zero Dark Thirty – nicht Dark Zero Thirty — aber Namen sind ja Schall und Rauch … oder ist das ‘ne Anti-SEO-Maßnahme? ;)

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