Ein Mann, der eineinhalb Stunden lang auf dem Fenstersims im 21. Stock eines Hochhauses mitten in New York City steht und droht, sich in die Tiefe zu stürzen? Klingt nach dem normalen Arbeitstag eines Börsenmaklers – oder nach Sam Worthington und seinem neuen Film Ein riskanter Plan.
Ex-Cop Nick Cassidy (Sam Worthington) hat einen ungeheuuuuuer wertvollen Diamanten gestohlen. Zumindest glaubt das die ganze Welt. Also brummt ihm der Richter 25 Jahre Gefängnis auf. Damit wäre die Sache eigentlich erledigt. Wenn Cassidy nicht penetrant seine Unschuld beteuern würde und schließlich auch ausbräche, um eben jene zu beweisen. Er checkt inkognito in ein Luxushotel ein, isst noch ein letztes Mal gut, wischt dann die Fingerabdrücke vom Besteck und steigt aus dem Fenster.
Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt: Häh? Und die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Sollte der Film unter diesen Umständen vielleicht nicht eher Ein ziemlich dummer Plan heißen? Nein, sollte er nicht. Ich will aber nicht zu viel verraten, denn Ein riskanter Plan lebt zu großen Teilen von der Ungewissheit und der damit verbundenen Spannung. Will sich Cassidy ganz unkreativ einfach in die Tiefe stürzen? Will er sich dort draußen eine Lungenentzündung holen, um ein Attest von seinem Doktor zu bekommen? Oder hat er sich vielleicht etwa einen “riskanten Plan“ ausgedacht, um seinen Ruf wieder reinzuwaschen? Ich weiß es nicht. Aber wahrscheinlich hat es schon einen Grund, dass zeitgleich direkt neben dem Luxushotel ein bis ins letzte Detail durchgeplanter Raub stattfindet. Und die heraneilenden Polizisten mit ihren Porno-Schnauzbärten sehen mir auch nicht ganz koscher aus. Aber was weiß ich schon?
Geheimtipp für Unentschlossene
Ein riskanter Plan ist für mich eine kleine Überraschung. Ich hatte vorher nichts davon gehört und dementsprechend auch nichts erwartet. Und dann geht der Film los und er hat mich von der ersten Minuten an am Haken. Zwar lassen sich einige Zusammenhänge recht bald erahnen, ganz sicher ist man sich aber bis zum Schluss nicht. Und weil die ganze Geschichte rund 70 Meter über dem Erdboden spielt und Nicks Zeit irgendwann auch verdammt knapp wird, pocht des Zuschauers Herz bald mit stabilen 150 Schlägen pro Minute – und das bis zum Schluss. Kaum zu glauben, dass das wirklich der erste Kinofilm von Regisseur Asger Leth ist.
Was sonst noch alles erwähnenswert ist: Die schauspielerische Leistung aller Anwesenden ist recht solide. Ausrutscher nach unten ist Genesis Rodriguez als Cassidys Schwägerin Angie. Ausrutscher nach oben ist Cassidy a.k.a. Sam Worthington. Angeblich hat er in Wirklichkeit Höhenangst und ist deshalb so glaubwürdig. Aber wer kriegt keine schlotternden Knie, wenn er im 21. Stock aus dem Fenster steigt?
Fazit: Ein riskanter Plan ist kein Mega-Blockbuster und er wird sicherlich auch bei keiner Preisverleihung der Welt berücksichtigt. Dazu setzt die Geschichte ein-, zweimal zu häufig auf den Zufall und ein-, zweimal zu selten auf Logik. Mit seinem ansonsten gelungenen Stilmix aus Drama, Action und Heist-Movie ist er aber ein Geheimtipp für die Leute, die an der Kinokasse stehen und absolut keinen Bock auf einen Stummfilm, die 1:1-Kopie eines langweiligen Krimis oder Ben Stiller haben.
JUICEDblog Filmbewertung: 








Weiterführende Links
- Ein riskanter Plan: Trailer (deutsch, 1:06min)
- Ein riskanter Plan: offizielle Website
Bilder: Concorde Filmverleih GmbH



Kommentare