Lesenswert: Lange Artikel über Journalismus, Medien und High-Tech

Geht es dir auch manchmal so? Dass du längere Artikel oftmals erst gar nicht anfängst zu lesen oder bei Evernote zum Später lesen abspeicherst und dann doch nie liest? Welcome to my world!

Täglich stolpere ich über Artikel, die mich eigentlich interessieren – ich aber bei einem Blick auf den kleinen Scrollbalken dann doch lieber später nicht lese. Und so passiert es, dass sich im Laufe der Wochen zahlreiche Tabs in meinem Opera-Browser ansammeln, die ich in einer Tabgruppe zusammenfasse. Zu ungemütlich ist das Lesen am 24“-Bildschirm. Zugegeben: Hier wäre ein iPad fürs bequeme Lesen auf der Couch vermutlich tatsächlich von Vorteil.

Also habe ich mal das Experiment gewagt und mir die Artikel – 30 an der Zahl – ausgedruckt. Dabei habe ich übrigens festgestellt, dass viele Webseiten keine Druckfunktion für ihre Artikel anbieten und bei den anderen das Ausdrucken trotzdem sehr bescheiden ist. Hinzu kommt, dass jeder Webbrowser die Seiten zum Druck anders aufbereitet. Nervig! Daher habe ich die Artikel einfach per Copy+Paste in Word reinkopiert und ausgedruckt. Rund 70 Din A4-Seiten waren es am Ende. Verschwendung?

Nun, am Screen hätte ich die Artikel ohnehin nicht gelesen. Also mussten sie solch einen Mehrwert enthalten, dass sich das Ausdrucken eben doch gelohnt hat. Immerhin: Mit den rund 70 Seiten hatte ich das Gefühl, ein spannendes Magazin in den Händen zu halten, von dem ich am Ende jede einzelne Seite gelesen hatte. Und das kann ich von den wenigsten Magazinen behaupten.

Hier nun meine Höhepunkte für euch aufbereitet:

// Für Journalisten und Journalismus-Interessierte

Schlüsselfaktor Leidenschaft [vocer]

Wenn ausschließlich Frauen und Männer mit einem Hochschulabschluss als Journalisten arbeiten, führt dies zu einer Homogenität in den Redaktionen, die nicht optimal ist. Denn Journalisten haben die Aufgabe, die Gesellschaft abzubilden, sie zu spiegeln. Wenn alle Medienschaffenden einen ähnlichen Bildungshintergrund haben, bleibt die Optik einseitig.

(…)

Wandel bedingt übrigens nicht nur Aus- sondern ebenso Weiterbildung. Karl Lüönd, früherer MAZ-Stiftungsrat, brachte es auf den Punkt: “Wer in diesem Beruf glaubt, Ausbildung sei je abgeschlossen, leidet unter Einbildung.”

Warum Facebook die Boulevardisierung des Online-Journalismus fördern könnte [Indiskretion Ehrensache] (Lesenswert ist auch Richard Gutjahrs Kommentar unter dem Artikel)

Wer einen Mitarbeiter von Spiegel Online sauer erleben will, der wirft seinem Arbeitgeber vor, ein Boulevard-Medium zu sein. Die meisten aus der Redaktion werden sich dagegen empören und darauf verweisen, dass sei doch die “Bild”, das mit dem Boulevard.

Tatsächlich aber wendet Spiegel Online – und genauso viele, viele andere Online-Medien – Techniken des Boulevard an.

Datenjournalismus: Ortsdaten als Chance für Lokaljournalismus [derStandart]

derStandard.at: Muss ein Journalist, der in den Bereich Datenjournalismus einsteigen will, programmieren können?

Ulrike Langer: Nein, Programmieren sollte wenigen Spezialisten überlassen bleiben, die richtig hervorragend in ihrem Fach sind. Journalisten haben genug mit Journalismus zu tun, der ja auch immer vielfältiger wird. Wir haben sonst lauter eierlegende Wollmilchsäue, Amateure die nichts richtig können und die sowieso nicht mit echten Programmierern konkurrieren können. Wichtig ist, dass man eine Grundahnung hat, was unter welchen Umständen mit welchen Budgets möglich ist.

  • Journalismus heute – die richtige Denke [dw-world]
  • “Was macht Journalismus aus?” [der Freitag]
  • Im Interview – Christian Jakubetz: Schon 1000 Journalisten warten auf den “Universalcode” [journalistenpreise]
  • Deutsche Zeitungen stehen kaum noch online [perlentaucher]
  • (Kleiner) Sieg über “Bild” [onlinejournalismus]
  • Die Sackgasse Page Impression und ihre Folgen für den Journalismus [Tages Woche]
  • Tschüss Social Media, es ist vorbei! The Passion Haz Gone [Cluetrain PR]
  • Eine kleine Geschichte der “Zeit” [JakBlog]
  • Die Tablet-Revolution kommt, nur anders [ZDF Hyperland]
  • Unsauberer Journalismus bei der taz: Mit schlechtem Beispiel voran [taz] JUICEDaniel: Unkommentiert ist dieser „Artikel“ leider nicht besonders hilfreich. Er hinterlässt höchstens Fragen und Verwirrung. Erschreckend, dass selbst die taz so oft und leicht auf den Lobbyismus reingefallen ist. Aber was soll dieser Artikeln jetzt? Eine moderne Form der Buße?

// Für Netzwelt und High-Tech-Interessierte

Web-K(r)ampf: Spiegel irrlichtert durchs Netz [meedia]

Amazon verdient dieses Jahr keine 500 Millionen Dollar (das ist soviel wie Yahoo und weniger als eBay), Apple hingegen wohl mehr als 30 Milliarden Dollar. In anderen Worten: Apples Gewinn liegt aktuell sechzigmal (!) höher als der von Amazon, der angeblich große iPad-Herausforderer.

  • Jobs-Biografie: Genie mit dunkler Seite [meedia]
  • Web 3.0: Das Social Web als Brückentechnologie [avatter]
  • Bitcoin-Kurs im freien Fall: Wann schaltet der letzte Miner seinen Rechner ab? [t3n]
  • Welche Werbeformen für Websites gibt es? [perun] JUICEDaniel: Diesen Artikel haben sich einige JUICED-Leser gewünscht. Da es hier jedoch alles Notwendige/Grundlegende dazu gibt, brauche ich das nicht unnötigerweise zu wiederholen.

// Für Englisch-Interessierte

The War Among Google, Amazon, Facebook, Apple [npr]

In the old days, Amazon sold books, Google was a search engine, Facebook was a social network and Apple sold computers. But that’s not the case anymore.

Google and Apple now sell phones. Amazon has gotten into the server business. Apple sells music. Facebook and Amazon provide online payment services. And that’s just the beginning.

  • Facebook’s Randi Zuckerberg: Anonymity Online ‘Has To Go Away’ [Huff Post]
  • The Top 10 reasons that Top 10 lists are so popular with journalists, readers [Poynter]

// Für alle, die lesen können

Hungersnot: Nordkorea, die vergessene Hölle Asiens [Welt]

Während Nordkoreas Führer in Saus und Braus lebt, lässt er sein Volk verhungern. Die Welt sieht tatenlos zu. Aufstände im Land sind nicht zu erwarten.

Vor einigen Monaten habe ich einen Artikel über Verfolgung in Nordkorea veröffentlicht. Schon bei der Recherche dafür wurde mir schnell bewusst, dass dieses Thema ein Fass ohne Boden ist – und zwar ein höchstexplosives Pulverfass. Umso wichtiger ist es, dass wir über die verheerenden Zustände in Nordkorea erfahren. Im Artikel auf Welt Online schreibt Richard Herzinger:

Und wo sind die empörten Protestaktionen engagierter Menschenrechtler vor der nordkoreanischen Botschaft, die unbehelligt im Herzen von Berlin-Mitte residiert? Das spätkommunistische Regime in Pjöngjang zeigt nicht weniger heftige Zerfallserscheinungen als die einschlägigen Diktaturen im Nahen Osten, doch sein Niedergang ist in keiner Weise “sexy”.

Von den ausgepowerten und entkräfteten Insassen dieser staatlich organisierten Hölle auf Erden sind keine heroischen Aufstände und pittoresken Twitter- und Facebook-Revolten zu erwarten.

Stimmt! Zwei Absätze, die uns betroffen machen sollten. Wo bleiben unsere Proteste gegen diese Ungerechtigkeit des Diktators? Herzinger beendet seinen Artikel sehr treffend:

Wenn er sich eines Tages heben wird und den Blick auf das ganze Ausmaß des Entsetzens frei gibt, das sich dahinter verbirgt, wird sich die zivilisierte Welt einmal mehr schamvoll die Augen reiben und mit gespielter Fassungslosigkeit ausrufen: “Wie konnten wir das nur zulassen?”

Green-IT: Wie viel Strom verbraucht das Netz? [Zeit]

Dienste wie Facebook oder Google brauchen Unmengen Energie, oft kommt sie aus fossilen Quellen. Doch weil das Thema so abstrakt wirkt, ist es kaum im Bewusstsein.

(…)

“Da die Cloud unseren digitalen Konsum weitgehend unsichtbar macht – weil Informationen jederzeit magisch einfach herbeigeholt werden können –, fällt es uns schwer zu realisieren, dass unser digitalisiertes Leben mehr und mehr Strom verschlingt.” Längst bleiben die Laptops Tag und Nacht online und aufgeklappt: Klick, aktualisieren, klick, runterladen, klick weiterleiten. Wie viel Energie dabei durch den weltweiten Kabelsalat fließt, tja, wer weiß das schon. Und wen kümmert’s?

Ex-Betreiber des NPD-Blogs über aktuelle Berichte: “‘Dönermorde’ wird Unwort des Jahres” [meedia]

(…) Noch immer werden Artikel über Rechtsextremismus mit Fotos von Neonazis, die Glatzen und Springerstiefel tragen, bebildert.

Patrick Gensing: Das zeigt eindeutig, wie geschlafen wurde über die Jahre. (…)

[…]

Wird man denn über den Bereich Rechtsextremismus überraschende Meinungen lesen?

Patrick Gensing: Die Leser wollen lieber Positionen, an denen sie sich abarbeiten können. Ich glaube, dass Journalisten die Öffentlichkeit oft unterschätzen. Man sollte mehr Mut haben, Meinungen zu veröffentlichen.

  • Mobilität der Zukunft: Jeder fährt mit jedem [Zeit]

// Für alle Umfragen-Interessierte

// Für alle Glossen-Interessierte

// Für alle Bewegtbild-Interessierte

“News! Summit”, 2011 Hong Kong, Wolfgang Blau

Kommentare

  1. meint

    Der “Mit schlechtem Beispiel voran”-Text steht im Zusammenhang mit der Aufdeckung der Atomwirtschafts-Kampange. Um da glaubwürdiger zu sein zeigt man eigene Fehler in dieser Hinsicht auf.
    Hat bei der taz aber auch Tradition in gewissen Abständen kritisch das eigene Wirken zu hinterfragen, siehe z.B. Pädophilie-Debatte

  2. meint

    Ich finde das ja prinzipiell gut, aber als ich diese zusammenhangslosen Fragmente las, war ich hinterher etwas irritiert und wusste nicht so recht, was ich damit jetzt anfangen soll oder was die taz mir damit jetzt eigentlich sagen will. Da hat mir schlichtweg die journalistische Einordnung oder Kommentierung gefehlt.

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